Beratung über neue griechische Anleihe nach Eurogruppen-Treffen

Die griechische Regierung will erst nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in der kommenden Woche über eine weitere Anleihen-Platzierung beraten. Alle Bemühungen konzentrierten sich derzeit auf die Eurogruppen-Sitzung am 21. Juni, sagte der stellvertretende Wirtschafts- und Entwicklungsminister, Alexis Charitsis, am Mittwoch in Brüssel.
13.06.2018 15:52

Dort erwarte Griechenland eine Vereinbarung über Schuldenerleichterungen. "Alle anderen Diskussionen finden nach dem 21. statt." Bei dem Treffen in Luxemburg geht es unter anderem um Laufzeitverlängerungen und Schonfristen von bis zu 15 Jahren für Teile der griechischen Schulden.

Das Land hatte 2010 den Zugang zum Kapitalmarkt verloren. Doch mittlerweile gelangen erste Tests für eine Rückkehr. So zapfte Griechenland in den vergangenen zwölf Monaten zwei Mal die Märkte an und begab dabei Anleihen mit siebenjähriger und mit fünfjähriger Laufzeit.

Die Regierung in Athen will nach dem Ende des dritten Rettungsprogramms am 20. August einen Schlussstrich unter die internationalen Hilfen ziehen, die auch stets an umfangreiche Reformauflagen geknüpft waren. Die griechischen Behörden hatten zuletzt nach Informationen von Regierungsvertretern Pläne für eine neue Anleihenplatzierung um einige Monate nach hinten verschoben.

Forderungen an Merkel

Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos forderte von Kanzlerin Angela Merkel mehr Engagement für den Euro-Raum. "Die Probleme der Euro-Zone werden nicht gelöst, indem wir einfach so weitermachen wie bisher", sagte Tsakalotos in einem Interview von Zeit Online. "Frau Merkel könnte kühner sein als sie es ist", antwortete er auf die Frage, ob Europa eine Vision wie die von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron oder eine nüchterne Herangehensweise wie die von Merkel brauche.

Es wäre gut, wenn man zu einer Euro-Zone käme, die proaktiv handelt und nicht nur reagiert, sagte Tsakalotos. Eine Währungsunion sollte zudem auch über einen Mechanismus verfügen, der regionale Ungleichheiten angehe. "Es ist unvermeidbar, dass die Euro-Zone unter Druck gerät, wenn es einer Region sehr gut geht und der anderen nicht."

Über die Entwicklung in Italien sei er "besorgt wie viele andere Menschen auch", sagte der Minister. Dass die Menschen dort nicht mehr die traditionellen Parteien wählten, liege an den sehr schwierigen sozialen und regionalen Problemen. Das biete aber auch eine Chance, weil man jetzt in eine ernsthafte Diskussion darüber in der Euro-Zone einsteigen könne.

jb/

(AWP)