Berufliche Vorsorge: Bankiers fordern mehr Spielraum für dritten Beitragszahler

Die Anlagerendite ist der "dritte Beitragszahler" der Pensionskassen. Letztere bekunden zunehmend Mühe, den Verbindlichkeiten gerecht zu werden. Eine publizierte Studie enthält Vorschläge für eine höhere Anlagerendite bei gleichbleibendem Risiko dank verbesserter Diversifikation. Gefordert werden mehr Flexibilität und ein erhöhter Einsatz von alternativen Anlagen.
14.02.2017 16:14

Bislang wurden fast 40% der Altersguthaben mittels Vermögenserträgen gebildet, heisst es in der Studie "Der dritte Beitragszahler der beruflichen Vorsorge - Impulse zur Optimierung", die im Rahmen einer Medienkonferenz der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) präsentiert wurde. Die Nullzinspolitik und die Entwicklung an den Finanzmärkten machen es dem dritten Beitragszahler zunehmend schwierig, die Vorsorgewerke im nötigen Umfang zu alimentieren und damit für immer mehr Rentner aufzukommen.

ALTERNATIVE ANLAGEN UNTERVERTRETEN

Iwan Deplazes, Präsident der Asset Manager Plattform und Autor der Studie sagt, dass das Bewusstsein für die Anlagerenditen geschärft werden und das alternative Anlagen entmystifiziert werden müssten. So liesse sich mehr Rendite bei gleichbleibendem Risiko erwirtschaften. Insbesondere kleinere Pensionskassen nutzten den gesetzlich erlaubten Spielraum nicht genügend aus. Zudem gäbe es Handlungsbedarf seitens des Regulators.

Während sich die politische Diskussion primär um Beiträge und Leistungen drehe, finde das Anlageverhalten bislang wenig Eingang in die Debatte, sagt Herbert Scheidt, Präsident der SBVg. Die Studie hält fest, dass die Schweiz im hinteren Mittelfeld sei, was Erträge von Pensionskassen angeht - trotz guten Heimmärkten in Kernanlagen Aktien und Obligation. Auffallend sei, dass Schweizer Kassen mit nur 9% in alternativen Anlagen und einer Aktienquote um 20% sehr konservativ unterwegs seien.

NÖTIGER STRUKTURWANDEL

Die Allokation vieler Pensionskassen sei nicht den aktuellen Notwendigkeiten angepasst, bemängeln die Autoren der Studie. Vermeintlich beruhigend hohe Deckungsgrade beruhen u.a. auf der Vorwegnahme der Performance in Obligationen, heisst es. Ein konkretes Beispiel liefert eine Obligation der Schweizerischen Eidgenossenschaft, deren Kurs auf 211% gestiegen ist, die Rückzahlung jedoch im Jahr 2049 zu pari (zu 100%) erfolge, was aus heutiger Sicht einem Verlust gleichkommt.

Um den Verpflichtungen weiterhin nachkommen zu können, sollten die Pensionskassen vermehrt auf nichttraditionelle Anlagen wie Privatkredite und Infrastrukturanlagen setzen, fordert die Studie. Auch diversifizierte Investitionen in Unternehmen in der Gründungsphase (Private Equity) brächten neben Mehrrenditen einen volkswirtschaftlichen Nutzen, sagt Deplazes. Die illiquiden Anlagen seien nicht per se schlecht, sondern brächten in einem Anlagehorizont von zehn Jahren eine Mehrrendite von 1 bis 3%.

Entscheidend seien aber nicht die Kosten, die mit durchschnittlich 0,45% im internationalen Vergleich eher tief seien, sondern die erzielbaren Renditen nach Kosten, sagt Iwan Deplazes. Letztere könnten dank der Prämie auf illiquiden Anlagen erreicht werden. Grundsätzlich seien Pensionskassen dank einem sehr langen Anlagehorizont für eine vermehrte Nutzung illiquider Anlagen prädestiniert. Schon heute bilden Immobilienanlagen rund 20% der Vermögenswerte, so Deplazes. Jedoch würden viele Vermögensverwalter von Vorsorgegeldern alternative Anlagen für zu komplex oder zu intransparent halten.

REGULATOR GEFORDERT

Ein Problem regulatorischer Natur sei der zu kurze Zeitraum für die Sanierung einer Pensionskasse bei Unterdeckung, so die Experten. Die fünf bis sieben Jahre bilden einen zu kurzen Anlagehorizont für illiquide Anlagen. Die folglich eher konservative Anlagestrategie führe zu einer ungenügenden Performance. Impulse des Regulators seien nötig, um eine grössere Flexibilität zu gewährleisten, damit nichttraditionelle Anlagen nicht weiter untervertreten seien. Allerdings gäbe es auch innerhalb der heute geltenden Regulatorien deutlich mehr Spielraum um strategische Veränderungen im Anlagemix herbeizuführen, sagt Deplazes.

pr/cp

(AWP)