BFE will Heiz- und Wasserverbrauch mit neuer Abrechnung senken

Mieter sollen beim Verbrauch von Wasser und Wärme zum Sparen animiert werden. Jeder soll deshalb genau so viel bezahlen wie er auch verbraucht. Das erhofft sich das Bundesamt für Energie (BFE) mit einem am Dienstag vorgestellten neuen Abrechnungsmodell.
27.06.2017 14:28

Es sei im Interesse der Mieter, dass sie weniger abgerechnet bekommen, sagte Olivier Meile, Leiter Bereich Gebäudetechnologie im BFE, am Dienstag vor den Medien. "Bei Strom ist man auch daran gewöhnt, dass man zahlt, was man verbraucht." Da sei es bei Wärme "nur logisch".

In Mehrfamilienhäusern sei der Wärme- und Wasserverbrauch in den einzelnen Wohnungen sehr unterschiedlich und hänge wesentlich vom Verhalten der Bewohner ab, fügte Patrik Lanter hinzu. Er ist Präsident des Schweizerischen Verbands für Wärme- und Wasserkostenabrechnung (SVW), der vom BFE mit dem Modell beauftragt wurde.

So variiere der Energieverbrauch für die Heizung in gleich grossen Wohnungen um Faktor 3, beim Wasser gar um Faktor 8. Laut einer Untersuchung von Mehrfamilienhäusern des SVW reichten die Kosten pro Wohnung je Energie und Wasser von 687 Franken bis 2032 Franken, bei durchschnittlichen Kosten von 1202 Franken.

EMPFEHLUNGEN FÜR DIE BRANCHE

Eine verbrauchsabhängige Energie- und Wasserkostenabrechnung schaffe Transparenz sowie Gerechtigkeit und "einen Anreiz für den sorgsamen Umgang mit den Ressourcen", so Lanter. Das neue Modell, die verbrauchsabhängige Energie- und Wasserkostenabrechnung (VEWA), richtet sich an Abrechnungsfirmen, Baufachleute sowie an Liegenschaftsverwaltungen. Ab 2018 soll das Modell nach dem Willen des BFE bei Neubauten angewendet werden, wobei es sich allerdings lediglich um Empfehlungen handelt.

Das neue Modell ersetzt zwei ältere Richtlinien zur Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung sowie zur Wasserkostenabrechnung. Diese wurden zusammengefasst und laut dem BFE "zeitgemäss" angepasst.

So wurde etwa eine Kältekostenabrechnung integriert. Neben Heiz- und Wasserverbrauch würde damit neu auch Kühlenergie pro Wohnung einzeln gemessen und abgerechnet.

Empfohlen wird zudem, dass in neuen Bauten künftig auf einen sogenannten Lageausgleich verzichtet wird. Bislang erhalten Aussenwohnungen einen Rabatt bei den Heizkosten - nach dem Prinzip: gleiche Kosten pro Quadratmeter beheizte Fläche bei gleichem energetischem Verhalten.

Bei modernen Gebäuden sei der Nachteil durch einen hohen Anteil Aussenwände mittlerweile viel geringer, so Lanter. Im Gegenteil seien grosszügige Verglasungen sogar ein zusätzlicher Komfort.

ANREIZ ZUM SPAR-WETTBEWERB

Die Darstellung der Abrechnung soll zudem vereinfacht werden. Die Rechnung sei bisher zu kompliziert und schwer zu verstehen, sagte Lanter weiter. Leicht verständliche Grafiken und Kennzahlen sollen den Bewohnern einen raschen Überblick ermöglichen.

Neu ist dabei insbesondere, dass der eigene Verbrauch immer auch im Vergleich zum Durchschnittswert der gesamten Liegenschaft dargestellt wird. So solle der Mieter dafür sensibilisiert werden, wie viel er verbraucht.

(AWP)