BIP-Optionsscheine - J.P. Morgan löst Jagd auf obskure Ukraine-Papiere aus

Zur Umstruktierungen von Schulden hat die Ukraine vor Jahren spezielle Wertpapiere ausgegeben. Diese stehen plötzlich im Interesse der internationalen Finanzwelt.
08.04.2017 07:30
Der zentrale Maidan-Platz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
Der zentrale Maidan-Platz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
Bild: Pixabay

Die amerikanische Grossbank J.P. Morgan hat eine vernachlässigte Ecke des Marktes für Hochzins-Anleihen aus Schwellenländern ins Rampenlicht gerückt. Ukrainische BIP-Optionsscheine - Wertpapiere, die von der Ex-Sowjet-Republik genutzt wurden, um eine Schuldenrestrukturierung im Jahr 2015 unter Dach und Fach zu bringen - waren vergangene Woche so stark nach oben geschossen wie noch nie zuvor nach der Emission. J.P. Morgan hatte eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Scheine nur bei einem Drittel ihres wahren Wertes gehandelt werden.

Der 25 Seiten starke Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Auszahlungen auf die Papiere wahrscheinlich deutlich über ihren derzeitigen Preisen liegen werden - auch wenn sie schwer zu errechnen sind.

Die Papiere waren nicht auf dem Radar der Investoren, weil sie in keinem grossen Schwellenmarkt-Bond-Index enthalten sind und keine Auszahlungen bis mindestens 2021 leisten - und dann auch nur, wenn das ukrainische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 35 Prozent auf 125,4 Milliarden Dollar klettert.

Umschuldungsvereinbarung

Die Studie von J.P. Morgan rückte die Wertpapiere wieder ins Blickfeld zu einer Zeit, da viele Händler hungrig sind auf höher rentierende Anleihen - angesichts von rekordniedrigen Zinsen in einem Grossteil der Industriestaaten.

"Die Scheine bewegten sich nach unten und dann wurde plötzlich dieser Bericht veröffentlicht und die Leute entdeckten sie wieder", berichtet Viktor Szabo, ein Anleihefonds-Manager bei Aberdeen Asset Management, der die Papiere selbst besitzt und bei den staatlichen Dollar-Bonds des Landes übergewichtet positioniert ist. "Unsere Bewertung würde nicht so weit gehen wie die von J.P. Morgan. Doch selbst wenn man das halbiert, bietet es noch immer Wert im Vergleich zum derzeitigen Niveau."

Die Papiere waren Bestandteil der 15 Milliarden Dollar schweren Umschuldungsvereinbarung der Ukraine. Sie sollten einen Anreiz für Gläubiger wie Franklin Templeton bieten, um Abschreibungen von 20 Prozent auf den Nominalwert der Anleihen und Verzögerungen bei den Rückzahlungen zu akzeptieren.

Zwei Zahlungen im Jahr

Investoren, die die Scheine besitzen, können bis 2040 zweimal jährlich eine Auszahlung erhalten, wobei der Auszahlungsbetrag vom BIP-Wachstum des Landes bestimmt wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass die ukrainische Wirtschaftskraft genug anziehen wird, um im Jahr 2021 die Auszahlungsgrenze zu durchbrechen.

Die Analysten von J.P. Morgan sehen den fairen Wert der Papiere bei 79,5 Cent je Dollar Nominalwert. Sie gestehen aber ein, dass die bewaffneten Auseinandersetzungen mit pro-russischen Rebellen im Osten ein grosses Risiko darstellen, falls sich die Kämpfe verschlimmern und das Land Gebiete oder Produktionsanlagen verliert.

Die Zentralbank senkte vergangenen Monat ihre Wachstumsprognose für 2017 von 2,8 Prozent auf 1,9 Prozent, nachdem das Land eine Handelsblockade gegen seine östlichen Separatisten-Regionen verhängt hatte. Die Blockade verzögerte einen Kredit des IWF über 1 Milliarden Dollar, der dann am Montag genehmigt wurde.

Preise gehen nach oben

Die Optionsscheine waren vergangene Woche um 5,71 Cent auf 36,76 Cent je Dollar Nominalwert nach oben geschossen, nachdem J.P. Morgan die Studie am 24. März veröffentlicht hatte.

"Wir glauben, dass der derzeitige Abschlag beim Preis gegenüber unseren Schätzungen für den fairen Wert ausreichend ist, um für diese Risiken zu entschädigen. Mit der Zeit wird eine Korrektur einsetzen, wenn sich Marktteilnehmer die Zahlungsauslöser genauer ansehen", schrieben die J.P. Morgan-Analysten um Nicolaie Alexandru Chidesciuc. "Die Preise werden letztlich nach oben korrigieren."

(Bloomberg)