BKW rechnet mit höheren Kosten für Stilllegung des AKW Mühleberg

Bern/Baden/Lausanne (awp) - Die Energiekonzerne BKW, Alpiq und Axpo haben die Kostenschätzungen für die Stilllegung und Entsorgung ihrer Kernkraftwerke überarbeitet. So schätzt BKW die Kosten für den Nachbetrieb, die Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg sowie die Entsorgung der radioaktiven Abfälle auf insgesamt 3,06 Mrd CHF, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilt. Zuletzt hatte BKW noch mit 0,8 Mrd CHF für Rückbau und Nachbetrieb sowie rund 1,3 Mrd CHF für die Entsorgung gerechnet, also insgesamt 2,1 Mrd CHF.
15.12.2016 07:57

Die neue Kostenstudie gewichte mögliche Risiken nochmals stärker, heisst es zur Erklärung. BKW spricht am Donnerstag von einer Erhöhung um 9,4%, die hauptsächlich auf eine vorsichtige Projektplanung und höhere Risikozuschläge zurückzuführen sei sowie auf Änderungen und Verzögerungen in der Planung der geologischen Tiefenlager für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Die Mittel für die Stilllegung seien jedoch bereits heute in vollem Umfang vorhanden und die neuen Schätzwerte hätten keine zusätzlichen Wertberichtungen zur Folge, versichert der Berner Energiekonzern.

Nebst der BKW, die den Stilllegungsprozess für das Kernkraftwerk Mühleberg in Gang gesetzt und dieses 2019 abschalten will, haben auch Axpo und Alpiq im Rahmen eines 5-jährigen Turnus die Beiträge für die provisorischen Stilllegungs- und Entsorgungsfonds neu geschätzt. Axpo schätzt die Kosten für Stilllegung und Entsorgung nuklearer Abfälle für das Kernkraftwerk Beznau neu auf insgesamt 5,62 Mrd CHF. Mit Einbezug der vom Werk selbst zu finanzierenden Kosten für den Nachbetrieb belaufen sich die Kosten laut Mitteilung der Axpo auf 6,08 Mrd, was 6,4% unter dem Schätzwert von 2011 liege.

Derweil rechnet die Axpo, die mit 40% am Kernkraftwerk Gösgen und mit 32,4% in Leibstadt beteiligt ist, mit leicht tieferen Beiträgen für die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds. Grund dafür sei eine neue Kostenbasis, welche in der Veranlagungsperiode 2017 bis 2021 den Berechnungen zugrunde gelegt worden sei, schreibt die Axpo.

Insgesamt dürften die Stilllegung der Schweizer AKW und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle aber teurer werden als bislang angenommen. Der Stilllegungsfonds und der Entsorgungsfonds (STENFO) beziffern die Gesamtkosten auf 22,8 Mrd CHF. Die Zahl entstammt der Kostenstudie 2016 von swissnuclear im Auftrag der Kommission der beiden Fonds. Sie fällt um 10% höher aus als noch bei der letzten Einschätzung im Jahr 2011, wie STENFO am Donnerstag mitteilte.

mk/ys

(AWP)