Hügli meint

BME-Übernahme - Weshalb die Schweizer Börse den Kampf um die Börse Madrid gewinnen wird

Nun buhlen wohl bald drei Börsenbetreiber um die Bolsas y Mercados Españoles. Die Schweizer Börse wird das Rennen machen. Auch weil sie unbedingt ein Erfolgserlebnis braucht.
19.11.2019 14:00
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Nun könnte auch die Deutsche Börse in den Bieterkampf um die Börse Madrid (BME) einsteigen, wie am Dienstag durchgesickert ist. Damit bewahrheitet sich, was am Montag hier im cash-Bericht schon angedeutet wurde. Damit würde die Deutsche Börse zusammen mit der SIX und Euronext um Spaniens Börse buhlen.

Ich behaupte: Die Schweizer Börse wird, sollte es zu einem Übernahmekampf kommen, das Rennen machen. Zunächst ist die Schweizer Börse privat gehalten und nicht kotiert. Das ist in einem Bieterkampf, der teuer zu werden verspricht, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die SIX-Antipoden Deutsche Börse und Euronext sind dagegen börsenkotiert.

Das heisst: Bei kotierten Unternehmen schlagen Analysten oder Investoren Alarm, wenn vor allem letztere ihre Beteiligungen in Gefahr sehen. Euronext müsste wohl einen Aktientausch offerieren oder eine Kapitalerhöhung durchführen, um eine BME-Übernahme stemmen zu können. Gerade bei Kapitalerhöhungen braucht es bei Investoren viel, sehr viel gute Argumente. Bereits am Montag war unter Euronext-Analysten ein Murren zu hören, dass sich die Mehrländerbörse Euronext bei BME übernehmen könnte. Zuletzt hatte Euronext bereits die norwegische Börse übernommen.

Zum zweiten wäre die BME für die SIX ein doppelter strategischer "Fit". Die Schweizer Börse verspricht sich Umsatzsynergien und eine Stärkung bei Derivaten, festverzinslichen Papieren oder Clearing. Fast noch wichtiger ist, dass mit einer BME-Übernahme die SIX ein Standbein in der EU hätte, nachdem die Schweizer Börse die Börsenanerkennung in Europa verloren hat.

Drittens, ganz wichtig: Die SIX braucht unter steigendem Druck unbedingt ein Erfolgserlebnis. Der Schweizer Börsenbetreiberin haftet der Ruf eines schwerfälligen, bürokratischen Kolosses an, der in den letzten Jahren mehr mit sich selbst als mit strategischen Fragen beschäftigt schien. Ende 2017 blickte SIX-CEO Urs Rüegsegger im cash-Interview auf seine Amtszeit zurück und stelle ziemlich resigniert fest: "Den grossen Wurf haben wir nicht erreicht."

Parallel dazu stieg die Unzufriedenheit der Eigentümer. Vor etwas mehr als einem Jahr platzte Sergio Ermotti von der SIX-Miteigentümerin UBS der Kragen. Die SIX müsse sich Gedanken machen, sie arbeite nicht zukunftsorientiert. Und der UBS-CEO drohte im Interview mit dem Blick unverholen: "Wenn wir mit der Dienstleistung nicht mehr zufrieden sind, suchen wir natürlich nach Alternativen."

Zuletzt sprechen auch die Personenkonstellation und die Egos bei der SIX dafür, dass sich die SIX die BME schnappen wird. Ermotti hat mit UBS-COO Sabine Keller-Busse eine starke Delegierte als SIX-Vizepräsidentin. SIX-CEO Jos Disselhof ist ambitioniert und selbstsicher: "Wir werden mehr wagen", sagte er zum Amtsantritt. Und schliesslich wird SIX-Präsident Romeo Lacher sein Präsidium Mitte März kaum mit einer Spanien-Niederlage übergeben wollen.

 

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