Kolumne

Börse - Hedgefonds: Intransparent, riskant und teuer - nicht für die meisten Banken

Hedgefonds sind spekulative Anlagevehikel und es bräuchte sie eigentlich nicht. Viele Banken sind da anderer Meinung.
16.04.2021 15:41
Von Claude Chatelain
Hedgefonds: Intransparent, riskant und teuer - nicht für die meisten Banken
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

Ein Euphemismus ist ein beschönigendes, verhüllendes Wort, ein Hüllwort. So stehts in meinem uralten Fremdwörterbuch, das ich erstand, als weder Google noch Internet unsere Arbeit bestimmten.

«Hedgefonds» ist ein solches Hüllwort. «Hedge» heisst absichern, ein Fonds ist eine Ansammlung von Vermögen. Das Absichern von Vermögen kann keine schlechte Sache sein, möchte man meinen. Aber ist von Hedgefonds die Rede, dann selten im positiven Sinn. So auch mit dem Konkurs von Archegos, bei dem auch die Credit Suisse einen Schuh herauszog und einen Kurssturz der CS-Aktie verursachte.

Hedgefonds sind spekulative Anlagevehikel und es bräuchte sie eigentlich nicht. Da es bei «Gopfried Stutz» meistens nicht um Moral, sondern um Geld geht, stellen wir uns hier dennoch die Frage, ob Hedgefonds wenigstens für Anlagezwecke sinnvoll sein könnten. Auf dem Papier könnten sie es sein. Sie bilden keinen Börsenindex ab und sollten daher weniger von Konjunktureinbrüchen betroffen sein. Doch Hedgefonds sind kaum Regeln unterworfen und setzen eine Fülle komplexer Finanzmarktinstrumente ein. Das alles macht sie teuer, intransparent und riskant.

Ich gehe davon aus, dass mancher Bankkunde sich nicht bewusst ist, wie viel seines Vermögens in Hedgefonds investiert ist. Die «NZZ» zeigte kürzlich auf, wie die einzelnen Banken ein ausgewogenes Risikoportefeuille ihrer Kunden zusammenstellen. Für Kunden also, die nicht sehr risikofreudig und auch nicht übervorsichtig sind – ausgewogen eben. Ausgewogene Portefeuilles haben einen Aktienanteil von rund 50 Prozent.

Und siehe da: Die meisten Banken schrecken vor Investitionen in Hedgefonds nicht zurück. Die Credit Suisse bestückt derzeit 11,5 Prozent eines ausgewogenen Portfolios mit Hedgefonds, die UBS 4 Prozent, die Banque Pictet sogar 17,3 Prozent.

Interessant ist jedoch, dass laut «NZZ» sowohl Raiffeisen wie auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in ihren Kundenportefeuilles keine Hedgefonds führen. «Wir erachten das Risiko-Rendite-Verhältnis für Hedgefonds als nicht attraktiv», schreibt mir die ZKB. Die Anlagestrategie stütze sich darauf, dass man über die Zeit für die an den Finanzmärkten eingegangenen Risiken marktgerecht entschädigt werde. Studien zeigten aber, dass dies in der langen Frist nicht gelinge. Als weitere Gründe nennt mir die ZKB die erschwerte Risikokontrolle, hohe Kosten und die meist langen Rückzahlungsfristen.

Ich habe die anderen Banken nicht gefragt, weshalb sie ihre Kundschaft nicht vor Hedgefonds verschonen. Ich kenne die Antwort. Sie werden auf die Diversifikation und das angeblich vorteilhafte Rendite-Risiko-Profil hinweisen. Den wahren Grund dürften sie mir nicht verraten: dass Banken mit Hedgefonds als wahren Gebührenmaschinen gutes Geld verdienen – zumindest solange sie nicht Archegos heissen.

 

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».

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