Börsen - Risiken beseitigt: Die Märkte ziehen die Weihnachtsfeier vor

Wahlen in Grossbritannien, Teileinigung im Handelskonflikt - die guten Nachrichten für die Märkte scheinen nicht abzureissen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie lange die Weihnachtsfreude anhält.
14.12.2019 10:00
Der Bulle regiert derzeit an den Märkten über den Bär.
Der Bulle regiert derzeit an den Märkten über den Bär.
Bild: Bloomberg

Angefangen hat es Ende letzter Woche mit einem US-Arbeitsmarktbericht, der alle Erwartungen in den Schatten stellte. Dann ging es am späten Donnerstag Schlag auf Schlag weiter: Anleger erfuhren, dass im Handelskrieg zwischen China und den USA eine Waffenrufe einkehrt und dass Grossbritannien mit dem Wahlergebnis aus der parlamentarischen Sackgasse heraussteuert.

Plötzlich schwanden alle Sorgen über eine globale Rezession, über eine neue Zollrunde im Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt und über das Risiko eine ungeordneten Brexits. Es mag Freitag, der 13. gewesen sein - doch an den Aktienmärkten knallten die Korken. Wer die Empfehlung von JPMorgan Chase von Risk-on-Trades im Jahr 2020 rechtzeitig umgesetzt hat, kann sich glücklich schätzen.

Die US-Benchmarks S&P 500 und Nasdaq Composite hatten in der abgelaufenen Woche auf Rekordhochs geschlossen. Das verhalf auch dem MSCI All-Country World Index zu seinem ersten Allzeithoch seit dem Vorabend des globalen Einbruchs im Januar 2018. Bei den Währungen gab der Yen nach, während der Yuan anzog. Die Anleiherenditen stiegen, wobei 10-jährige Treasuries mit etwa 1,9 Prozent rentieren und ihre japanischen Pendants in den letzten Tagen zum ersten Mal seit März wieder die Null-Prozent-Marke erreichten.

"Eine wirklich starke Rally"

Die Party setzte sich in Europa fort: Der britische FTSE 250 und der europäische Stoxx 600 legten auf Intraday Rekordstände zu. Die Risikoneigung an den Märkten wurde von der KMeldung beflügelt, dass US-Präsident Donald Trump ein erstes Handelsabkommen mit China abgesegnet haben soll und die für Sonntag angekündigten US-Zölle gegen China damit abgewendet seien. In Großbritannien hat Boris Johnson bei den Wahlen das beste Resultat für seine Konservativen seit der Ära Margaret Thatcher erzielt und ist dank einer klaren Mehrheit im Parlament nun auf Kurs, das Land im Januar aus der EU herauszuführen.

"Die guten Nachrichten für die Märkte scheinen nicht abzureissen", sagte Kerry Craig, ein in Melbourne ansässiger Marktstratege von JPMorgan Asset Management. Allerdings bleibt abzuwarten, wie lange die Weihnachtsfreude anhält: Reibungslose Beziehungen zwischen den USA und China vorherzusagen würde schon einigen Mut erfordern, zumal nicht davon auszugehen ist, dass ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat sich mit dem Vorsatz zur Wahl stellt, nett zu China zu sein.

Und Johnsons Parlamentsmehrheit spricht zwar für einen fristgerechten Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union, aber die Verhandlungen über ein Handelsabkommen stehen noch bevor, so dass ein “harter Brexit” weiter möglich ist.

Zunächst sei aber dank der jüngsten Entspannung "eine wirklich starke Rally bis zum Jahresende" zu erwarten, sagte Mark Matthews, Head of Research Asia bei Bank Julius Bär. "Ich wünschte, wir hätten einige der guten Nachrichten für 2020 aufgespart."

(bloomberg)

 

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