Börsen-Vorschau - Anleger auf der Suche nach den Puzzleteilen

Börsianer dürften in der neuen Woche auf Richtungssuche bleiben: Firmenbilanzen und Zinsängste werden die dominierenden Themen sein.
22.04.2018 11:06
Die Bankenwoche steht an: Paradeplatz in Zürich mit UBS (hinten) und Credit Suisse (rechts).
Die Bankenwoche steht an: Paradeplatz in Zürich mit UBS (hinten) und Credit Suisse (rechts).
Bild: cash

Auf der einen Seite nehmen Experten zufolge die Sorgen vor schneller steigenden Zinsen und einem globalen Handelskrieg zu. Auf der anderen Seite dürften viele Unternehmen mit guten Bilanzzahlen aufwarten. "Noch sind die Anleger an den Finanzmärkten bemüht, die Puzzleteilchen zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Dabei ist allerdings nicht so ganz klar, welches Bild am Ende rauskommen wird", sagt Ökonomin Claudia Windt von der Helaba.

In der vergangenen Woche rückte der Swiss Market Index (SMI) um 0,4 Prozent vor. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gab um 0,04 Prozent auf 1'461,55 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,24 Prozent auf 10'409,15 Punkte.

Der deutsche Dax legte um 0,8 Prozent auf 12'540 Zähler zu und erzielte damit den vierten Wochengewinn in Folge. Das ist die längste Serie seit einem halben Jahr. Dennoch blieb der Zuwachs hinter der Entwicklung der vergangenen Wochen zurück. "Entweder gelingt dem Index bald der Sprung über 12.600 Punkte oder es folgt die nächste Etappe nach unten", warnt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader.

Öl als Bremsklotz

Ins Stocken geriet die jüngste Rally vor allem durch die höheren Ölpreise. Zuletzt kostete die Ölsorte Brent aus der Nordsee mit 74,75 Dollar so viel wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. "Durch die gestiegenen Ölpreise nehmen die Inflationserwartungen an den Märkten zu", sagt Marktstratege Tobias Basse von der NordLB. Einige Anleger rechneten daher damit, dass der US-Notenbank die noch für dieses Jahr erwarteten zwei Zinsanhebungen nicht ausreichen könnten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird dagegen an dem bei 0,0 Prozent liegenden Leitzins der Euro-Zone bei ihrer Sitzung am Donnerstag eher nicht rütteln. EZB-Chef Mario Draghi werde wohl nur seine bisherigen Positionen wiederholen, prognostiziert Carsten Brzeski, Chefökonom für Deutschland und Österreich bei der ING-Bank.

Die Entscheidung über das endgültige Ende der EZB-Anleihekäufe werde wohl erst im Juni fallen. Dennoch dürften die sich unerwartet deutlich abschwächende Wirtschaft im Euro-Raum und der US-Handelsstreits mit China genügend Gesprächsstoff liefern für die Ratssitzung der europäischen Währungshüter.

Beschäftigung mit vielen Zahlen

Auf die Bilanzsaison blicken Experten dagegen optimistisch. "Wir erwarten solide Ergebnisse und einen weiter sehr konstruktiven Ausblick seitens der Unternehmen", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock.

In den USA nimmt die Bilanzsaison richtig Fahrt auf. So legen etwa Coca-Cola (Dienstag), der Airbus-Rivale Boeing, Facebook (jeweils Mittwoch), Amazon und Microsoft (jeweils Donnerstag) Zahlen vor.

In der Schweiz legen die Grossbanken UBS (Montag) und Credit Suisse (Mittwoch) sowie Roche (Donnerstag) die Zahlen vor. Daneben zeigen auch AMS, Glarner KB (Montag), Kühne + Nagel, Adval Tech, Feintool, Phoenix Mecano (Dienstag), Clariant, LumX (Mittwoch), Schindler, Bucher, Molecular Partners, Straumann (Donnerstag) und CFT (Freitag) ihre Bilanzen.

Auch ein knappes halbes Dutzend Dax-Firmen öffnet seine Bücher. Den Anfang macht SAP am Dienstag, Deutsche Börse am Mittwoch. Am Donnerstag folgen Dax-Neuling Covestro, Lufthansa, Volkswagen und die Deutsche Bank. Analysten trauen den Frankfurtern im ersten Quartal gerade einmal 330 Millionen Euro Gewinn zu bei Erträgen von rund 7,3 Milliarden Euro. Dabei ist das Auftaktquartal traditionell das stärkste im Jahresverlauf.

Vor allem Stimmungsindikatoren

Auch konjunkturseitig stehen einige Termine auf der Agenda. Am Dienstag wird der Ifo-Index veröffentlicht, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Die Analysten der DZ Bank erwarten einen erneuten Rückgang. "Die deutsche Wirtschaft steht nicht am Rande der Rezession", betont Ökonom Michael Holstein. "Aber die geo- und handelspolitischen Belastungen der letzten Monate fordern zweifellos ihren Tribut."

Dies dürfte sich nach Meinung von Ökonomen auch im Wirtschaftswachstum der USA widerspiegeln, wie aktuelle Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt am Freitag zeigen dürften.

(Reuters/AWP/cash)