Börsen-VorschauAnleger stehen vor unruhigem Herbst

Eine Reihe von Problemen kann die Börsen Experten zufolge in den kommenden Wochen in Turbulenzen stürzen. Darunter der starke Euro, das unberechenbare Nordkorea und Donald Trump.
02.09.2017 13:35
Trader in der Börse in New York.
Trader in der Börse in New York.
Bild: Bloomberg

"Früher oder später werden die Märkte Lösungen fordern – für den starken Euro, das unberechenbare nordkoreanische Regime und die Finanzierung der Wahlversprechen eines Donald Trump", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Eine blosse Vermeidung einer weiteren Eintrübung der Situation ist keine Rechtfertigung für wieder steigende Kurse." In der alten Woche büsste der Dax 0,2 Prozent ein.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag 0,18 Prozent höher auf 8'941,62 Punkten (Tagestief 8'917), so dass im Wochenvergleich ein Plus von 0,4 Prozent resultierte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, stieg um 0,35 Prozent auf 1'427,32 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,23 Prozent auf 10'200,85 Zähler.

Investoren fiebern unter anderem der EZB-Ratssitzung am Donnerstag entgegen. Sie hoffen darauf, dass Notenbank-Chef Mario Draghi parallel zu den neuesten Konjunktur- und Inflationsprognosen seines Hauses Hinweise zur Geldpolitik liefert.

Er werde wohl eine Drosselung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro andeuten, sagt Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. "Allerdings wird die EZB dabei sehr vorsichtig vorgehen und sich wohl bei jedem Schritt grösstmögliche Flexibilität erhalten." Denn die Notenbank wolle eine weitere Aufwertung des Euro verhindern. Seit Jahresbeginn hat die Währung rund 13 Prozent auf aktuell knapp 1,19 Dollar zugelegt.

Auch in den USA verfolgen die Börsianer die Auftritte zahlreicher führender US-Notenbanker in der neuen Woche mit Argusaugen. Von der Fed erwarten sie Signale zum Abbau der billionenschweren Wertpapierbestände und zum Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung.

Entschärft «Harvey» den US-Haushaltsstreit?

In den USA endet mit dem Feiertag "Labor Day" am Montag die parlamentarische Sommerpause. "Bis spätestens 1. Oktober muss der US-Kongress den Haushalt 2018 beschliessen oder das bestehende Gesetz verlängern", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock. "Ausserdem könnte Ende September, spätestens wohl Anfang Oktober erneut die Schuldenobergrenze erreicht werden."

Ohne eine Anhebung können Gehälter von Staatsbediensteten nicht mehr gezahlt und Schulden nicht mehr bedient werden. US-Präsident Trump hatte mit einem Regierungsstillstand gedroht, wenn das Parlament keine Mittel zum Bau der geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko freigibt.

Die Wahrscheinlichkeit hierfür sei gering, sagt Beth Ann Bovino, Chefökonomin der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P). Der Wirbelsturm "Harvey" mit seinen Verwüstungen und Überschwemmungen könnte den Weg für eine rasche Einigung im Haushaltsstreit ebnen. "Aber: Wetten auf eine vernünftige US-Regierung können riskant sein." Jede Woche eines "Government Shutdown" schmälere das US-Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte.

Für Börsianer noch unberechenbarer ist die Entwicklung des Streits zwischen den USA und Nordkorea. Nach einer Phase relativer Ruhe testete Nordkorea in der alten Woche erneut eine Rakete. Trump erteilte daraufhin weiteren diplomatischen Bemühungen eine Absage. Sein Verteidigungsminister Jim Mattis betonte allerdings, dass die diplomatischen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft seien.

Viele Daten warten auf die Anleger

Vom Bundestagswahlkampf erwarten Experten dagegen keine Überraschungen. Dessen heisse Phase läutet das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) am Sonntag ein.

Daneben wird eine Vielzahl von Konjunkturdaten Investoren in der neuen Woche auf Trab halten. In Deutschland stehen unter anderem das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager (Dienstag), die Auftragseingänge der Industrie (Mittwoch) und die Industrieproduktion (Donnerstag) auf dem Terminplan. Auf europäischer Ebene erwarten Börsianer Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag). In den USA werden am Dienstag die Auftragseingänge für langlebige Güter veröffentlicht. Zudem legt das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft Seco am Dienstag BIP-Schätzungen für das zweite Quartal und am Freitag die Arbeitsmarktdaten für den August vor.

Daneben stehen noch einige Geschäftszahlen börsenkotierter Schweizer Unternehmen an: Helvetia, Hiag Immobilien, Varia US, Villars (Montag), BKW, Messe Schweiz, Santhera (Dienstag), Jungfraubahn (Donnerstag).

(Reuters/AWP)