Börsen-Vorschau - Bei Macron-Sieg liegen neue Kursrekorde drin

Die Aktienmärkte werden in der kommenden Woche unter dem Eindruck der französischen Wahlen stehen. Je nach Ausgang könnte es mit den Kursen kräftig nach oben oder nach unten gehen.
06.05.2017 13:55
Trader arbeiten in der Börse von Frankfurt.
Trader arbeiten in der Börse von Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Die Rekordjagd des Dax wird nach der Stichwahl um die französische Präsidentschaft wohl weitergehen. "Die Fahrt in Richtung 13.000 Punkte kann beginnen", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Die Sorgen vor einem Zerfall der Eurozone haben sich bislang in keiner der Entscheidungen der Wähler bestätigt."

Seinem Kollegen Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank zufolge müssen sich Investoren aber noch etwas gedulden. "Die Märkte haben seit dem Sieg von Emmanuel Macron bei der ersten Wahlrunde im April schon einiges eingepreist." Ausserdem müsse sich der europafreundliche Politiker für seine geplanten Reformen noch eine parlamentarische Mehrheit organisieren, betont Axel Angermann, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Feri. Daher richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit bereits auf die Wahlen zur Nationalversammlung im Juni.

Der Schweizer Leitindex SMI notierte am Freitag mit 9017 Punkten um 0,4 Prozent höher. Im Vergleich zur Vorwoche hat der SMI rund zwei Prozent gewonnen und steht damit auf dem höchsten Stand seit rund eineinhalb Jahren. Der breite SPI markierte mit 10'204 Zählern einen neuen Höchstwert.

Hoffnung auf Wachstum nach Macron-Sieg

Am Markt gilt als sicher, dass Macron bei der Stichwahl am Sonntag über Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National triumphiert. Der Optimismus der Investoren verhalf dem Dax in der alten Woche zu einem Kursplus von 2,2 Prozent. Zu Handelsschluss am Freitag erklomm der Frankfurter Index mit 12.716,89 Punkten einen neuen Höchststand. Der Pariser Auswahlindex CAC40 stieg auf 5432,40 Zähler und lag damit auf dem höchsten Stand seit mehr als neun Jahren. Der Euro war für 1,0994 Dollar zu haben.

Mit einem Wahlsieg Macrons stiegen die Chancen auf Wirtschaftsreformen, betont Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Es muss dabei auch nicht unbedingt der grosse Wurf sein. Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende grosse Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen." Davon würde die gesamte Euro-Zone profitieren.

Bilanzsaison geht weiter

Im Fokus der Anleger stehen erneut jede Menge Firmenbilanzen. In der Schweiz stehen unter anderem die Geschäftszahlen von Adecco (Dienstag), Swiss Life (Mittwoch), Zurich, Sunrise (Donnerstag) und Richemont (Freitag) auf dem Programm.

In Deutschland legt rund ein Dutzend Dax-Werte in der neuen Woche Zahlen vor. Dazu gehören unter anderem die Commerzbank, Münchener Rück und E.ON(jeweils Dienstag), sowie Deutsche Telekom (Donnerstag) und Allianz (Freitag). Im Ausland öffnen noch einige Nachzügler ihre Bücher wie Walt Disney am Dienstag. Am Freitag gibt ausserdem der weltgrösste Stahlkocher ArcelorMittal seine Quartalsergebnisse bekannt.

Bislang hat rund die Hälfte der europäischen Grosskonzerne Zahlen vorgelegt. Reuters-Daten zufolge übertrafen rund 80 Prozent von ihnen beim Umsatz die Markterwartungen. Unter den Industrie-Unternehmen liegt die Quote sogar bei über 95 Prozent. Experten rechnen für das erste Quartal mit einem Gewinnplus von durchschnittlich knapp 14 Prozent. Damit bewegen sich heimische Konzerne auf Augenhöhe mit der US-Konkurrenz.

Konjunkturdaten rücken in den Hintergrund

Angesichts dieser Zahlenflut treten die anstehenden Konjunkturdaten etwas in den Hintergrund. Auf dem Terminplan stehen am Montag die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Am Tag darauf folgen die Zahlen zur Industrieproduktion. "Die bis zuletzt sehr positiven Stimmungsindikatoren sprechen dafür, dass die deutsche Wirtschaft auch im Frühjahr spürbar zulegen wird", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Am Freitag sind die entsprechenden Daten aus der Euro-Zone an der Reihe. Dieser Tag steht ausserdem ganz im Zeichen der Inflation: Sowohl Deutschland als auch die USA veröffentlichen Daten zur Teuerung. Dies könnte Spekulationen um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Fed neue Nahrung geben. Zum Wochenschluss stehen zudem die US-Einzelhandelsumsätze auf der Agenda. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

(Reuters)