Börsen-Vorschau - An den Märkten ist Durchatmen angesagt

Passend zu den frostigen Temperaturen dürfte in der neuen Woche auch das Geschehen an den Börsen etwas einfrieren. Im Fokus der Anleger: Einige Firmenbilanzen und der neue Fed-Chef.
25.02.2018 10:38
Pessimistische und optimistische Investoren halten sich etwa die Waage.
Pessimistische und optimistische Investoren halten sich etwa die Waage.
Bild: ©hfox/Fotolia.com

Die Bilanzsaison neigt sich dem Ende zu. Wichtige geldpolitische Entscheidungen stehen nicht auf der Agenda. Die Aktienmärkte dürften sich daher eher seitwärts bewegen, sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Bereits in der abgelaufenen Handelswoche kam der Dax kaum vom Fleck und stieg um weniger als 0,3 Prozent. Beim Dow Jones reichte es zu einem Plus von 0,4 Prozent. Der S&P 500 legte auf Wochensicht um 0,55 Prozent und der Nasdaq um 1,35 Prozent zu.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag -0,21 Prozent tiefer bei 8'948,19 Punkten, im Wochenvergleich ergab sich somit ein Minus von 0,4 Prozent. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gab 0,16 Prozent auf 1'475,25 und der breite Swiss Performance Index (SPI) ebenfalls 0,16 Prozent auf 10'305,94 Punkte nach.

Alle reden von den Zinsen

Hauptgesprächsthema bei Börsianern dürfte die Furcht vor steigenden Zinsen bleiben. Diese war ein Grund für den Kurseinbruch in der ersten Februarhälfte. Investoren sorgen sich, dass die Leitzinsen in den USA schneller steigen als angenommen. Denn die grösste Ökonomschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, und die Stundenlöhne sind zuletzt unerwartet stark gestiegen.

"Die Rahmenbedingungen sprechen dafür, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr graduell erhöhen wird", sagt Ökonom Carsten Klude von der Privatbank MM Warburg. Mit vier derartigen Schritten - statt den bisher in Aussicht gestellten drei - sei aber nicht zu rechnen.

Mit Spannung wird daher der Auftritt des neuen Fed-Chefs Jerome Powell am Dienstag im Kongress erwartet. Hier könnte er eine erste Duftmarke setzen, welchen Kurs die Notenbank unter seiner Führung verfolgt.

Auch Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets geht davon aus, dass die US-Währungshüter ihre Geldpolitik sanft straffen werden. Zentralbanken hätten allerdings einen Drahtseilakt vor sich. "Sie müssen das Undenkbare schaffen: Dem Markt das Ende der Medikamente verkaufen, ohne dass die Entzugserscheinungen allzu grossen Schaden anrichten."

Zinsängste im Euro-Raum übertrieben

Für die Euro-Zone halten Fachleute die Zinsängste ohnehin für übertrieben. Dies dürften die Inflationsdaten für Februar (Mittwoch) deutlich machen, wie die Ökonomen der Commerzbank erläutern. Sie erwarten einen Rückgang im Währungsraum auf 1,1 Prozent. Bereits am Dienstag werden die Verbraucherpreise für Deutschland veröffentlicht.

Auf der anderen Seite des Atlantiks erhalten Investoren Einblick in die Auftragslage der US-Unternehmen (Dienstag). Zudem stehen aktuelle Daten zum Konsum, den privaten Einkommen sowie den Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe (alle Donnerstag) auf dem Plan.

Die Bilanzwelle in der Schweiz nimmt noch einmal Fahrt auf. Am Dienstag stehen die Zahlen von Swiss Life, Allreal, Arbonia, Basilea, BCGE, Bellevue, Bobst und PSP Swiss Property an. Am Mittwoch folgen Kühne+Nagel, APG, Cassiopea, EFG, Georg Fischer, Intershop, Sulzer, Valora und Zehnder. Am Donnerstag sind Adecco, Ascom, Basler KB, GAM, Implenia, Kardex, Newron, Orior, SPS, Sunrise und VZ Holding an der Reihe, bevor Flughafen Zürich, Mobilezone, Raiffeisen, Swissquote und LafargeHolcim am Freitag den Abschluss machen.

Brexit, Italien-Wahl und GroKo

Spannend könnte es in der Politik werden. In Grossbritannien, Italien und Deutschland stehen wichtige Entscheidungen an. So will die britische Premierministerin Theresa May am Freitag das weitere Vorgehen ihres Landes beim EU-Austritt erläutern. "Die Zeit für eine Lösung wird allmählich knapp", konstatiert Commerzbank-Ökonom Peter Dixon. "Das Risiko eines harten Brexit ohne eine Einigung ist gestiegen."

Bauchschmerzen bereitet Investoren auch die Parlamentswahl in Italien am Sonntag (4. März). Experten erwarten, dass die euroskeptischen Parteien Erfolge erzielen und langwierige Koalitionsverhandlungen die Folge sind.

Ebenfalls am Sonntag will die SPD-Führung das Ergebnis der Mitglieder-Abstimmung zum Koalitionsvertrag mit CDU und CSU vorlegen. Den Dax könnte eine Ablehnung aus der Ruhe bringen, jedoch würde er sich binnen weniger Stunden wieder berappeln, prognostiziert Folker Hellmeyer, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Solvecon-Invest. "Die Bildung einer Minderheitsregierung oder Neuwahlen würden zwar für Verunsicherung sorgen, auf die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands hätte das aber keine Auswirkungen."

(Reuters/AWP/cash)