Börsen-Vorschau - An der Börse herrscht weiter Krisenstimmung

Am Schweizer Markt werden nächste Woche zahlreiche Bilanzzahlen vorgelegt. Die Börsenstimmung wird aber von der Weltlage bestimmt werden - und der globale Krisen-Cocktail sorgt bei Anlegern für Rezessionsängste.
17.08.2019 13:20
Neue Unwetter brauen sich über den Aktienmärkten zusammen.
Neue Unwetter brauen sich über den Aktienmärkten zusammen.
Bild: pixabay.com

An der Börse sind die Bären los: Das Tier symbolisiert die Pessimisten und diese haben angesichts des schwelenden Zollstreits zwischen den USA und China regen Zulauf. "Von einem Handelsabkommen zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt können die Anleger weiterhin nur träumen", sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Der drohende Chaos-Brexit und der Regierungskrise in Italien trübten die Aussichten für die heimische Konjunktur zusätzlich ein, warnt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock.

Die Umstände gehen auch am Schweizer Aktienmarkt nicht spurlos vorbei. Der SMI fiel bis zur Wochenmitte wie andere Börsen auf der Welt deutlich, erholte sich aber in den vergangen Tagen. Nach einem Stand von 9760 Punkten Anfang Woche schloss der Schweizer Leitindex Ende der Woche bei 9728 Punkten. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Zahlen vorgestellt, wobei kein einheitliches Bild ergab. 

Nächste Woche werden noch einmal zahlreiche Unternehmen ihre Ergebnisse zum Halbjahr präsentieren. Am Montag sind dies Metall Zug und Orior. Am Dienstag folgt eine grössere Zahl mit Hochdorf, Huber+Suhner, Komax, Medartis, Meier Tobler, der Thurgauer Kantonalbank, der VP Bank, dem Börsenneuling Alcon, Basilea, Implenia, Kuros, der Luzerner Kantonalbank und Orascom. Am Mittwoch erfahren Anleger mehr über Feintool, Kudelski, Sensirion, Von Roll, Zur Rose, Elvolva und Siegfried. Am Donnerstag folgen Bossard, Sunrise, Coltene und Peach Property. Zum Schluss der Arbeitswoche kommen noch die Bilanzen von Bachem, Mobilezone, U-Blox und Nebag

Inverse Zinskurve sorgt für Ängste

Unternehmenszahlen werden den Markt aber weniger bewegen als die Gesamtsitution. Martin Lück von Blackrock umschreibt die komplexe Lage aber auch so: "De facto versinkt Europa immer mehr in einem Japan-ähnlichen Szenario, also schwachem Wachstum, kaum spürbarer Inflation und niedrigen, weitestgehend negativen Zinsen." Auch in der kommenden Woche dürften diese Risiken die Anleger umtreiben.

Parallel dazu werfen am Anleihemarkt zweijährige US-Bonds inzwischen mehr ab als zehnjährige. Diese inverse Zinskurve gilt als Vorbote einer Rezession, weil sich in den Renditen widerspiegelt, dass die Investoren die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen. Üblicherweise werden länger laufende Titel höher verzinst.

"Unser hauseigenes Konjunkturzyklusmodell signalisiert schon seit Jahresbeginn, dass sich die globale Konjunkturlage deutlich eingetrübt hat und mittlerweile so schlecht ist wie zuletzt in den Jahren 2008/2009", sagt Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg.

Inzwischen schwinde allerdings der Glaube an die Wirkungsmacht neuer Geldspritzen der grossen Notenbanken, der den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten Auftrieb gegeben habe. Der Konjunktureintrübung im Rest der Welt würden sich auch die USA langfristig nicht entziehen können.

US-Präsidentenwahlen werfen Schatten voraus

Thomas Lehr, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, warnt dagegen vor überzogenem Pessimismus. Zwar sei US-Präsident Donald Trump unberechenbar. Ein Absturz der Konjunktur oder ein Börsencrash lägen aber nicht in seinem Interesse. "Ein solches Szenario gefährdet Trumps Wiederwahl."

Sein Kollege Jeff Schulze vom Vermögensverwalter Clearbridge setzt auf die US-Notenbank Fed. "Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft." Investoren rechnen derzeit bis zum Jahresende mit drei weitere Zinssenkungen der US-Notenbank. Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Mittwoch. Aus den Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen erhoffen sie sich Hinweise auf Tempo und Zeitpunkt der erwarteten Zinssenkungen.

Am Tag darauf liefern die US-Frühindikatoren Hinweise auf die Wachstumsaussichten der weltgrössten Volkswirtschaft. Parallel dazu werden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes veröffentlicht. Er rechne vor allem im Dienstleistungssektor mit einer trüberen Stimmung, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Dies wäre ein Zeichen dafür, dass dieser Sektor zunehmend von der schwachen Industriekonjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird." 

(Reuters/cash)