Börsen-Vorschau - Die Anleger fiebern Fed-Zinsentscheid entgegen

Die Aktienmärkte stehen in der neuen Woche - einmal mehr - ganz im Zeichen der Notenbankpolitik. Aber auch die Weltpolitik wird Kurse beeinflussen.
15.06.2019 12:30
Die Federal Reserve Bank of San Francisco ist die Zentralbank für eine Reihe von westlich gelegenen US-Bundesstaaten.
Die Federal Reserve Bank of San Francisco ist die Zentralbank für eine Reihe von westlich gelegenen US-Bundesstaaten.
Bild: unsplash.com

Mit der Fed, der Bank von England (BoE) und der Bank von Japan (BoJ) halten in der nächsten Woche gleich drei der wichtigsten Notenbanken Treffen ab. Das Hauptinteresse zieht klar die Fed auf sich. Anleger beschäftigt sehr die Frage, wie sehr sich die mächtige Zentralbank der USA zu möglichen Leitzinssenkungen stellt.

Investoren spekulieren seit Längerem über einen solchen Schritt. Für die Sitzung am Mittwoch rechnen sie zwar nicht damit. Die Wahrscheinlichkeit bei der Juli-Sitzung taxieren sie aber auf rund 90 Prozent.

Allerdings könnte auch die wiederholte Forderung von US-Präsident Donald Trump nach niedrigeren Zinsen eine Absenkung des Schlüsselsatzes auf absehbare Zeit verhindern, gibt Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG zu Bedenken. "Damit könnte der Verdacht einer Beeinflussung seitens der US-Regierung vermieden werden."

SMI nach Rekordwoche

Die Fed-Entscheide werden auch den Schweizer Markt beschäftigen. Impulse von den Unternehmen selbst dürften schwächer sein, zumindest sind keine bedeutenden Zahlenvorlagen im Terminplan vermerkt. Am Montag wird das ETH-Forschungsinstitut KOF die Konsensprognose zur Schweizer Wirtschaft vorlegen. 

Der SMI hat diese Woche erstmals die Marke von 9800 und kurz darauf auch von 9900 Punkten geknackt. 9907 Punkte am Donnerstag bedeuteten Rekord. In der Wochensicht legte der SMI um ein Prozent zu.

Briten weiterhin mit Brexit-Unsicherheit

Japan wird am Donnerstag den Leitzins wohl auch nicht antasten.  Einen Tag nach ihren US-Kollegen von der Fed berät die Führung der Bank von England (BoE) über ihre Geldpolitik. Zwar sei das überraschend hohe Lohnwachstum in Grossbritannien Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer baldigen Zinserhöhung, schreiben die Analysten der Bank BayernLB. Vor einer endgültigen Entscheidung über die Art des Brexit würden die Notenbanker aber sicher die Füsse stillhalten. "Die Mehrheit möchte durchaus die Sicherheit haben, dass ein 'No-Deal'-Szenario umschifft werden kann." 

In Grossbritannien entscheidet sich aber demnächst, wer ins endgültige Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May geht. Der frühere Londoner Bürgermeister und Ex-Aussenminister Boris Johnson ist im Moment Favorit für die für die Führungsaufgabe der Konservativen Partei - womit er auch Regierungschef würde. Johnson war 2016 eine der treibenden Kräfte in der Brexit-Kampagne. Der Politiker hat auch nicht ausgeschlossen, dass es zu einen abrupten Bruch mit Brüssel kommen könnte.  

Spannungen im Nahen Osten

Der ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China sowie die Furcht vor wachsenden Spannungen im Nahen Osten gehen aber weiter um. Letztere wurde geschürt von Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Da die USA den Iran beschuldigten, hinter den Vorfällen zu stecken, wachse die Gefahr einer ungewollten Eskalation der Lage, warnt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Der Ölpreis reagierte bereits mit Preisaufschlägen auf die Krise. Solche von politischen Ereignissen getriebenen Kursausschläge seien aber meist nur von kurzer Dauer, sagt Norbert Rücker, Chef-Analyst der Bank Julius Bär.

Bei der Frage einer baldigen Lösung für den Zollstreit sind Experten weiter uneins. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, erwartet vom geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Kollegen Xi Jingping Ende Juni keine Einigung. Andere äussert sich dagegen optimistisch: US-Präsident Trump wolle wiedergewählt werden und eine US-Rezession würde seine Chancen schmälern, lautet das Argument.

«Hexensabbat» steht an

Aus den USA erwarten Investoren in der neuen Woche nur wenige Konjunkturdaten. Zu ihnen gehört das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Donnerstag). Am Freitag folgen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Diese dürften signalisieren, dass die Industrie in der Rezession bleibt, während der Dienstleistungssektor weiter wächst.

Unabhängig davon laufen am Freitag Futures und Optionen auf Dax sowie Optionen auf einzelne Aktien aus. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. 

(Reuters)

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