Börsen-Vorschau - Die externen Risiken an den Aktienmärkten werden nicht weniger

Die Börse wird in der kommenden Woche vor allem von geldpolitischen und weltwirtschaftlichen Faktoren beeinflusst.
15.09.2018 17:43
Vor oder zurück?
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Bild: Pixabay

Zu viel Optimismus ist nach Meinung von Fachleuten aber nicht angebracht. "Es spricht einiges dafür, weiter vorsichtig zu sein", zitiert die Nachrichteagentur Reuters den Marktstrategen Tobias Basse von der deutschen NordLB.

Gesprächsthema bleibt der seit Monaten schwelende Streit zwischen den USA und China um höhere Warenzölle.  "Risiken gibt es genug", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. An erfolgreiche Verhandlungen zwischen China und den USA glaube so recht niemand mehr - obwohl die Regierung in Washington chinesische Vertreter zur nächsten Verhandlungsrunde eingeladen hatte. "Gespräche gab es schon viele, gebracht hat es wenig."

Der Streit der beiden Wirtschaftsmächte über höhere Abgaben auf Importwaren hält die weltweiten Börsen seit Monaten in Atem. Investoren fürchten sich vor einem ausgewachsenen Handelskrieg und den Folgen davon für das Wirtschaftswachstum.

Nationalbank meldet sich zu Wort

Der SMI hat in dieser Woche trotz Unsicherheiten um 1,5 Prozent zugelegt. In der kommenden Woche dürften die geopolitischen und weltwirtschatlichen Themen den Markt dominieren, denn an Unternehmensnachrichten ist wenig offiziell angekündigt. Von den Blue-Chip-Unternehmen hält nur Adecco am Mittwoch den Investorentag ab. Am Donnerstag werden die Zahlen zu Exporten und Uhrenausfuhren vom August bekannt gegeben.

Ebenfalls am Donnerstag stellt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre geldpolitische Lagebeurteilung vor. Es wird nicht erwartet, dass sie den Leitzins von -0,75 verändert. Möglich sind aber deutbare Aussagen zum Franken-Euro-Kurs, der sich in den vergangenen Wochen wieder stark in Richtung einer Aufwertung des Frankens bewegt hat. Aktuell steht das Verhältnis bei 1.1245. Die SNB ist prinzipiell daran interessiert, dass der Franken sich abwertet.

Sorge um Eurozone

Umfragen zufolge sehen Börsianer die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone wegen der Handelsstreitigkeiten und der zunehmenden Probleme der Schwellenländer mit Sorge. Analysten erwarten, dass deshalb auch die am Freitag anstehenden Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe niedriger ausfallen werden.

Es gebe wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Schwächephase der Industrie im Euro-Raum, sagen Ökonomen. Ein Grund für die relativ schwache Nachfrage nach Industrieprodukten sei die Aufwertung des Euro. Dieser gewann im Vergleich zum Dollar von Mitte 2017 bis Mitte 2018 mehr als elf Prozent an Wert und kostet aktuell rund 1,17 Dollar.

Achten auf US-Anleihenzinsen

NordLB-Experte Basse rät, auch einen genauen Blick auf die Renditen der amerikanischen Staatsanleihen zu werfen. "Wenn die Marke von drei Prozent wieder durchschritten wird, könnte viel Geld vom Aktienmarkt in den Anleihemarkt umgeschichtet werden", sagt er. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen legte in den vergangenen Wochen deutlich zu auf 2,98 Prozent.

Im Mai war sie bis auf 3,12 Prozent gestiegen, gleichzeitig hatte der US-Index S&P-500 nachgegeben. Mittlerweile haben sich die Kurse erholt, der S&P-500 erreichte Ende August ein Rekordhoch von 2916 Punkten. "Bei dem Index gibt es noch ein wenig Luft in Richtung 3000 Zähler, aber dann werden risikoaverse Anleger beginnen, ihre Positionen zu reduzieren", sagt Mike MacDonald, technischer Analyst beim Researchhaus.

Die Spekulationen über höhere Zinsen und damit höhere Renditen für US-Staatsanleihen könnten angeheizt werden durch die Veröffentlichung der US-Baubeginne am Mittwoch sowie von den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag.

Türkei bleibt ein Unruheherd

Nicht aus den Augen lassen dürften Investoren auch die Türkei. Zwar sorgte die Zentralbank mit ihrer überraschend deutlichen Zinserhöhung zuletzt für Aufatmen an den Märkten und die unter Druck gekommene Lira wertete etwas auf. Aber Fachleute raten zu Vorsicht.

"So positiv dieser Schritt der türkischen Notenbank im Hinblick auf die Wahrung ihrer Unabhängigkeit und den Versuch der Wiederherstellung des Vertrauens ausländischer Investoren bewertet werden kann, bleibt abzuwarten, welchen wirtschaftlichen Schaden diese Leitzinserhöhung in der Türkei verursacht", betont BayernLB-Devisenexperte Andreas Speer. Das Tal der Tränen sei für die türkische Währung noch nicht durchschritten.

(Reuters)

 
Aktuell+/-%
SMI10'522.22-1.28%
SNB N4'930.000.00%
EUR/USD1.2074-0.90%
EUR/CHF1.0973-0.42%
S&P 5003'811.15-0.48%
USD/TRY7.4253+1.03%