Börsen-Vorschau - Türkei-Krise und Bilanzen werden Anleger in Atem halten

Die Währungskrise in der Türkei sorgt für Unruhe im europäischen Bankensektor und könnte den Investoren in die Parade fahren. Zudem nimmt die Bilanzsaison nochmals Fahrt auf. Eine Vorschau auf die kommende Börsen-Woche.
12.08.2018 08:45
Anleger werden nochmals einige Firmenzahlen analysieren müssen.
Anleger werden nochmals einige Firmenzahlen analysieren müssen.
Bild: Bloomberg

Sommerlaune dürfte an den Aktienmärkten in der kommenden Woche wohl kaum aufkommen. Zwar haben sich die Nerven beim Thema Handelsstreit zuletzt etwas beruhigt. Aber die Währungskrise in der Türkei sorgt für Unruhe im europäischen Bankensektor und könnte den Investoren in die Parade fahren. "In der Türkei braut sich schon seit einigen Monaten ein explosiver Mix zusammen", sagt Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Die Bankenaufsicht der EZB zeigte sich einem Bericht der "Financial Times" zufolge bereits besorgt über mögliche Ansteckungseffekte. Deswegen gerieten Aktien von Bankhäusern mit grösserem Türkei-Engagement wie die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas unter Druck. Auch deutsche Bankhäuser konnten sich dem nicht entziehen.

Der Euro wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und war mit 1,1410 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt vor gut einem Jahr. Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag mit einem Minus von 1,25 Prozent bei 9'031,33 Punkten. Auf Wochensicht ergab sich ein Verlust in ähnlicher Grössenordnung von 1,4 Prozent. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) büsste 1,35 Prozent auf 1'478,32 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,25 Prozent auf 10'767,08 Punkte. 

Der Dax schloss mit 12'424 Punkten zwei Prozent tiefer. An der Wall Street Alle gaben die drei grossen Indizes rund 0,7 Prozent nach: Der Dow-Jones auf 25'313 Punkte, der S&P-500 auf 2833 Punkte und die Nasdaq auf 7839 Punkte.

Türkei: Akuter Handlungsbedarf

Nach Darstellung von Marktteilnehmern besteht in der Türkei akuter Handlungsbedarf. "Nötig wäre eine kräftige Zinserhöhung, die zu erkennen gäbe, dass die Währungshüter am Bosporus gewillt sind, dem Verfall der heimischen Währung nicht tatenlos zuzusehen", sagt Gitzel. Doch nach wiederholten Forderungen nach niedrigeren Zinsen von Präsident Recep Tayyip Erdogan zweifelt der Markt an der Unabhängigkeit der Notenbank.

Je später Erdogan nachgebe, desto grösser werde der Schaden, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Ohne Politikwechsel dürfte sich die Lage weiter verschärfen. "Dann wären auch Kapitalverkehrskontrollen wahrscheinlich."

Viele Unsicherheitsfaktoren

Auch der Zollstreit der USA mit China verdirbt Anlegern den Appetit auf Aktien, während robuste Konjunkturdaten und gute Firmenbilanzen eher für Kursanstiege sprechen. "Das kurzfristige Renditepotential ist nach oben und unten begrenzt", sagen die Anlagestrategen der Berenberg Bank. "Seit Jahresbeginn tun sich die Aktienmärkte schwer, eine Richtung zu finden, da sich politische Risiken und ein robustes Gewinnwachstum ausgleichen und das Anlageumfeld komplizierter machen", sagt David Lebovitz von der Grossbank JP Morgan.

"Unsicherheitsfaktoren gibt es zur Genüge und nun hat auch noch die saisonal schwächste Phase begonnen", sagt Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Zwar sei eine kurzfristige Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und der EU zunächst abgewendet, weswegen Investoren relativ gelassen seien. "Vom Tisch ist das Thema aber noch nicht."

Viele Bilanzen

Die zu Ende gehende Berichtssaison der Unternehmen nimmt mit einigen grossen Namen nochmals Fahrt auf: Geberit, Swiss Life, Straumann, Tornos, Arbonia, Basilea, Elma, Orascom (Dienstag); Kudelski, VZ Holding, Zur Rose, SGKB (Mittwoch); Swisscom, Ascom, Bank Linth, Bell, Cicor, Comet, Meyer Burger, Phoenix Mecano, Tecan (Donnerstag); Schindler, Cham Group, Gurit, PSP, Schweizer (Freitag). 

In den USA stehen unter anderem Home Depot (Dienstag), Cisco (Mittwoch) und Nvidia (Donnerstag) an. Anleger werden zudem den Luftfahrtsektor im Auge behalten, nachdem Piloten beim Billigflieger Ryanair für eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben.

Im Konjunkturkalender stehen nur wenige wichtige Daten. Hauptaugenmerk wird auf dem am Dienstag veröffentlichten ZEW-Indikator liegen. Zudem steht das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal an. Am Mittwoch werden aus den USA Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für Juli erwartet.

(Reuters/AWP/cash)