Börsenvorschau - Inflationssorgen bleiben Anlegern erhalten - EZB im Blick

Auch in der neuen Woche gibt die Entwicklung der Anleiherenditen Experten zufolge den Aktien die Richtung vor.
06.03.2021 08:38
Blick über das winterliche Frankfurt zur Zentrale der europäischen Zentralbank.
Blick über das winterliche Frankfurt zur Zentrale der europäischen Zentralbank.
Bild: imago images / Sepp Spiegl

"Solange der Anstieg mit einer Wirtschaftsbelebung verknüpft ist, dürfte er die Finanzmärkte wenig belasten", sagt Ibrahima Kobar, Chef-Anlegerin beim Vermögensverwalter Ostrum. "Sollten die Zinsen aber aus Angst vor einer Überhitzung oder vor Inflation weiter steigen, könnten die Märkte ins Straucheln geraten." Steigende Anleiherenditen bedeuten höhere Finanzierungskosten und schmälern die Gewinne der Unternehmen.

Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet, rät zur Gelassenheit. "Inflationsbedenken halten wir für verfrüht. Ein Überschießen der Inflationsziele der Zentralbank dürfte nur vorübergehend sein." Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock, weist zudem darauf hin, dass die Bond-Renditen im Vergleich zu den Inflationserwartungen bislang unterdurchschnittlich gestiegen seien. "Die im Ergebnis weiter gesunkenen Realzinsen sprechen somit weiterhin für eine Übergewichtung von Aktien." Unter Realzinsen verstehen Ökonomen den Nominalzins abzüglich der Inflationsrate.

Aktienkurse und Bond-Renditen ziehen an

In der alten Woche verdrängten Fortschritte bei den Corona-Massenimpfungen und ein Etappensieg bei der Verabschiedung des knapp zwei Billionen Dollar schweren Corona-Hilfspakets in den USA die Inflationssorgen zugunsten von Konjunkturhoffnungen. Der Dax stieg zeitweise auf ein Rekordhoch von 14'197,49 Punkten und gewann unter dem Strich rund ein Prozent. Der Swiss Market Index hat hingegen 1,3 Prozent verloren.

Gleichzeitig ging der Rendite-Anstieg an den Anleihemärkten weiter. Die weltweit richtungsweisenden zehnjährigen US-Bonds rentierten mit etwa 1,5 Prozent rund einen halben Prozentpunkt über dem Niveau vom Jahresbeginn. Die Rendite ihrer deutschen Pendants stieg in diesem Zeitraum auf minus 0,3 von minus 0,6 Prozent.

Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf das Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Dabei dürfte die EZB ihrer Besorgnis über die Entwicklung am Bondmarkt Ausdruck verleihen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Michael Schubert. "Sie wird wohl das wöchentliche Volumen ihrer Anleihekäufe erhöhen – und damit womöglich nicht erst bis zur Sitzung warten." In den vergangenen Tagen hatten führende EZB-Banker betont, sich bei Bedarf einem unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen mit verstärkten Wertpapierkäufen entgegenzustemmen.

Wenige Konjunkturdaten und Firmenbilanzen

Relevante Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche nur wenige auf dem Terminplan. Den Anfang machen am Montag die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion. Am Freitag folgen die entsprechenden Daten zur Euro-Zone. Jenseits des Atlantik werden am Mittwoch die US-Verbraucherpreise veröffentlicht.

Gleichzeitig neigt sich die Bilanzsaison ihrem Ende zu. Aus dem Dax legen die Deutsche Post, der Autozulieferer Continental und der Sportartikel-Hersteller Adidas Geschäftsergebnisse vor. Im Ausland öffnet unter anderem der SAP-Rivale Oracle seine Bücher. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, zieht eine positive vorläufige Bilanz der US-Berichtssaison. "Das erste Mal seit zwei Jahren sind die Gewinne je Aktie schneller gestiegen als die entsprechenden Umsatzerlöse. Offensichtlich ist es vielen Firmen gelungen, ihre Effizienz in der Krise zu steigern."

In der Schweiz präsentieren am Montag Belimo und Tornos ihren Zahlenkranz. Am Dienstag folgen Dufry, Galenica, Huber+Suhner, Rieter und VP Bank. Am Mittwoch Geberit, BLKB, Medartis, Mikron, Orior und Clientis. Am Donnerstag präsentieren Ascom, Cicor, LLB, Meyer Burger, Stadler Rail und TX Group ihre Jahresergebnisse. Am Freitag sind schlussendlich Bachem, Flughafen Zürich, Fundamenta, Mobilezone, U-Blox und CFT an der Reihe.

(Reuters/cash)

 
Aktuell+/-%
Blackrock Rg804.38-0.45%
EUR/USD1.1947+0.27%
DAX15'234.36+0.13%
SMI11'122.37-0.53%
Commerzbank I4.981-1.37%
Continental I113.94+1.91%
Deutsche Post N49.24+1.38%
adidas N280.45-0.41%
SAP I112.34+0.57%
Deutsche Bank N10.252-1.14%
Oracle Rg76.90+1.02%
Galenica N61.20+0.91%
BLKB930.000.00%
Tornos Hldg N7.230+7.91%
BELIMO Hldg N7'750.00+0.65%
Stadler Rail N44.66-0.84%
Medartis Hldg N69.50+0.29%
Orior N84.90-0.82%
Dufry N63.60+0.86%
Meyer Burger N0.437-2.80%
Huber + Suhner N75.900.00%
Ascom Hldg N15.260+1.06%
Geberit N617.80-0.13%
VP Bank -A- N118.20+1.03%
Fundamenta Real N19.450-2.26%
Rieter Hldg N131.40+1.39%
Mikron Hldg N6.140+0.33%
BACHEM HLDG N -B-421.00+1.20%
Cie Fin Traditi P118.00-0.84%
Liechten Landb N54.40-0.73%
Cicor Technologie N51.60-2.64%
mobilezone hldg N12.500+0.81%
Flughafen Zuerich N157.80+1.48%
u-blox Hldg N67.85+3.67%

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