Börsenvorschau - Politische Krisen könnten Börsen blockieren

Politische Störfeuer dürften Experten zufolge in den kommenden Wochen die Börsen lähmen.
24.08.2019 17:23
US-Präsident Donald Trump (links) und der chinesische Präsident Xi Jinping vor einer Pressekonferenz anlässlich eines Besuch Trumps in Peking (9.11.2017).
US-Präsident Donald Trump (links) und der chinesische Präsident Xi Jinping vor einer Pressekonferenz anlässlich eines Besuch Trumps in Peking (9.11.2017).
Bild: Bloomberg

"Die Belastungen durch den Zollstreit zwischen den USA und China dauern an", sagt Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank. "Der Brexit droht hart zu werden, und die Regierungskrise in Italien könnte zu weiteren Belastungen in der EU zu führen." Darunter leide die exportabhängige deutsche Wirtschaft ganz besonders.

Der Swiss Market Index (SMI) gewann in der alten Woche dennoch etwa ein Prozent. Er profitierte dabei vor allem von Spekulationen auf frische Konjunkturhilfen der grossen Zentralbanken. Sowohl bei der US-Notenbank als auch bei der Europäische Zentralbank (EZB) rechnen Experten im September fest mit Zinssenkungen. Letztere werde zudem wohl die Wiederaufnahme ihrer Wertpapierkäufe ankündigen.

Vor diesem Hintergrund warten Börsianer besonders gespannt auf die deutschen (Donnerstag) und europäischen (Freitag) Inflationsdaten. Von ihnen versprechen sie sich Rückschlüsse zum Umfang der erwarteten EZB-Konjunkturhilfen. Commerzbank-Analyst Christoph Weil rechnet mit einer Teuerung von einem Prozent. "Für die EZB ist der Preisauftrieb weiterhin zu schwach." Die Notenbank sieht eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Wirtschaft an.

Daneben steht in der Schweiz noch zahlreiche Ergebnisse von kleineren Firmen auf der Agenda: So sind unter anderem am Montag KTM und Alpiq, am Dienstag Allreal und Flughafen Zürich, am Mittwoch Baloise und Emmi, am Donnerstag Helvetia und Vaudoise und am Freitag Zug Estates und IVF Hartmann mit Halbjahreszahlen an der Reihe.

Keine Einigung im Zollstreit in Sicht - Sorgenkind Brexit

Der Zollstreit zwischen den USA und China werde die Börsen bis ins kommende Jahr begleiten, prognostiziert Anlagestratege Lars Skovgaard Andersen von der Vermögensverwaltung der Danske Bank. Er rechne erst nach den US-Präsidentschaftswahlen im November 2020 mit einer Einigung. Sollte US-Präsident Donald Trump aber alles auf eine Karte setzen und den Konflikt erneut eskalieren, drohe eine weltweite Rezession. Am Freitag hatte China neue Zölle auf US-Güter im Volumen von rund 75 Milliarden Dollar angekündigt.

Auch beim Brexit gibt es bislang trotz der Bekenntnisse zu weiteren Gesprächen kaum Bewegung. Der britische Premierminister Boris Johnson beisst mit seiner Forderung nach einer Neuverhandlung des künftigen Grenzregimes zwischen der britischen Provinz Nordirland und der Republik Irland bei den übrigen EU-Staaten auf Granit.

Sofern es keinen Kompromiss in letzter Minute oder einen Regierungswechsel in London gebe, müsse zum 31. Oktober mit einem ungeordneten EU-Austritt Grossbritanniens gerechnet werden, warnt Analyst Lee Hardman von der Bank Mitsubishi UFJ. Unabhängig davon bleibt die Londoner Börse am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

Auf Italien blicken Börsianer dagegen vorsichtig optimistisch, da Staatspräsident Sergio Mattarella Insidern zufolge aufs Tempo drückt. Ausserdem rechnen sie bei einer wahrscheinlichen Koalition aus 5-Sterne-Bewegung und sozialdemokratischer PD nicht mit einem erneuten Etat-Streit mit der EU.

Neben einer raschen Verabschiedung des Haushalts für 2020 sei entscheidend, dass die neue Regierung die automatische Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar vermeide, sagt Matteo Germano, Chef-Anleger für Italien beim Vermögensverwalter Amundi. Allerdings traten bei ersten Sondierungen zwischen den potenziellen Koalitionären bereits Meinungsverschiedenheiten zutage.

(cash/Reuters)

 

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