Bombardier: Millionen-Investition in Bautzen 'Zeichen für Zukunft'

(Ausführliche Fassung) - Bei Bombardier liegen weiter Hoffnung und Sorge nah nebeneinander: Einerseits wurde am Donnerstag der Grundstein für eine neue Endmontagehalle in Bautzen gelegt, andererseits bangen die Belegschaften in Sachsen und Brandenburg weiter um ihre Jobs. Mit der Investition von rund acht Millionen Euro stellt der kanadische Fahrzeughersteller nach eigener Darstellung die Weichen in Richtung digitale Produktion in der Bahnindustrie.
15.06.2017 20:25

Für Deutschland-Chef Michael Fohrer ist der Neubau in Ostsachsen das "Flaggschiff" für die Industrie 4.0. "Mit der neuen Endmontagehalle wird Bautzen der Taktgeber für die digitale Produktion im Unternehmen. Wir werden damit in der gesamten Branche Standards setzen", sagte er im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Insgesamt sollen in das künftige Kompetenzzentrum für die Serienfertigung von S- und U-Bahnen sowie Regional- und Fernverkehrszügen in Bautzen in den kommenden zwei Jahren 20 Millionen Euro investiert werden.

Auch Werksleiter Olaf Schmiedel sah in der Grundsteinlegung ein "Zeichen für die Zukunft des Standortes". "Wir werden mit der neuen Halle in der Lage sein, drei Fahrzeugtypen parallel zu fertigen", erklärte er. Zudem würden durch die effizientere Produktion knapp eine Million Euro an Logistik-, Wartungs- und Energiekosten gespart. Bundesministerin Zypries freute sich über die positive Nachricht, mahnte aber die Konzernleitung: "Wir werden weiter über die Neuaufstellung des Unternehmens reden müssen. Dafür sind wir bereit. Wir hoffen, dass wir Lösungen auch für Standorte wie Görlitz und Hennigsdorf finden. Die machen uns Sorgen."

Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mahnte bei dem Konzern Verantwortung an. "Es geht hier mehr als um eine Fertigungshalle. Wir legen hier den Grundstein für die Zukunft", sagte er. Er wiederholte seine Forderung, dass Bombardier zu beiden Standorten in Sachsen stehen müsse.

Vor der Grundsteinlegung im Werk Bautzen hatte Zypries bei ihrem Besuch in der Oberlausitz mit Vertretern der IG Metall und der Betriebsräte aus Görlitz und Bautzen geredetl. Dabei kündigte sie an, dass die Unternehmensleitung in Kürze über ein neues Sanierungskonzept für die Bombardier-Standorte in Deutschland mit dem Bundeswirtschaftsministerium sprechen wolle. Der Bombardier-Aufsichtsrat will am 29. Juni Eckpunkte für den Umbau in Deutschland vorlegen.

Diesem Tag sehen Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter mit Hoffnung und Sorge entgegen. "Die Werke müssen an die Digitalisierung ohne mit Personal-Kahlschlag angepasst werden. Wenn es aber hart kommt, wird es ein heisser Herbst", sagte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. Der Betriebsratsvorsitzende René Straube aUs Görlitz nannte das Ursprungskonzept für seinen Standort "als Tod auf Raten".

Dieses Strategiepapier sah für Görlitz künftig nur noch die Fertigung von Alurohbauten und für Bautzen den Ausbau zum Kompetenzzentrum für die Serienfertigung der Vollbahnen vor. Durch die Modernisierung des kanadischen Fahrzeugherstellers droht derzeit weltweit der Verlust von 5000 Arbeitsplätzen in der Zugsparte. Im Bautzener Werk sind derzeit gut 1000 Mitarbeiter beschäftigt, in Görlitz 1900./mis/DP/he

(AWP)