Bonner Klimakonferenz bringt Paris-Umsetzung wieder ein Stück voran

Die komplexe Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens von 2015 ist wieder ein kleines Stück weiter gekommen. Auch wenn die Bonner Klima-Konferenz unter den Erwartungen mancher blieb, gab es dennoch Fortschritte.
19.11.2017 12:13

Wie schon fast üblich endete auch die 23. Klimakonferenz mit einer grossen Verspätung: Statt am frühen Freitagabend hörten die übermüdeten Delegierten aus fast 200 Ländern erst am Samstag um 7 Uhr morgens ein Lied, vorgetragen von Bewohnerinnen und Bewohnern der Fidschi-Inseln. Dies war der Schlusspunkt der von der Pazifikinsel präsidierten Konferenz in Bonn.

Zuvor konnte Fidschi-Regierungschef Frank Bainimarama dem Plenum die getroffenen Vereinbarungen verkünden. Die Vorarbeiten an einem Regelbuch liegen nun vor, in Form von mehreren hunderte Seiten dicken Textentwürfen.

Damit erreichte die Bonner ihr "Minimalziel", wie der Schweizer Delegationschef Franz Perrez zum Abschluss sagte. Die Texte umfassen alle Positionen der Verhandlungsdelegationen zur Umsetzung des Pariser Abkommens. Im Mai werden die Delegationen wieder in Bonn daran weiter arbeiten.

Ziel ist ein Verhandlungstext für die nächste Klimakonferenz im Dezember im polnischen Katowice. Es brauche dafür "ziemlich sicher" eine zweite Verhandlungsrunde im Herbst, sagte Perrez. Das Regelbuch soll unter anderem Bestimmungen enthalten wie die nationalen Reduktionsziele gemessen, angerechnet und mitgeteilt werden.

Noch weit entfernt

Diese Informationen münden dann in den Talanoa-Dialog, mit dem 2018 begonnen werden soll. Das von Fidschi eingebrachte Instrument zum Austausch soll den Stand aller Klimaschutzbeiträge erfassen und die Vertragsstaaten zu ehrgeizigeren Zielen anspornen.

Dies wird nötig sein, denn die Staatengemeinschaft ist noch weit entfernt von den Pariser Zielen. Diese sehen eine maximale Erderwärmung bis 2100 um weniger als zwei Grad Celsius vor, im besten Fall sogar nur um 1,5 Grad.

Der Vertrag von Paris gilt aber erst ab 2020. In der verbleibenden Zeit, der Pre-2020-Periode, soll aber nicht nichts passieren. Darauf drängten vor allem die Entwicklungsländer.

Sie erreichten in Bonn, dass bei den nächsten zwei Klimakonferenzen 2018 und 2019 die Klimaschutzanstrengungen der Industrieländer bis zum Jahr 2020 auf die Tagesordnung kommen. Es gibt einige vermeintliche Musterschüler wie Deutschland, von denen schon jetzt vermutet wird, dass sie ihre Ziele bis 2020 wohl nicht erreichen werden.

Landwirtschaft auf der Agenda

Von Entwicklungs- und Schwellenländern kamen auch Forderungen nach konkreteren Zusagen der Industrieländer für die Klimafinanzierung. Gegen Automatismen setzten sich die Industrieländer zur Wehr. Bei der Überführung des Anpassungsfonds vom Kyoto-Protokoll unter das Pariser Abkommen boten aber auch sie Hand.

Und für die Landwirtschaft, einer der grossen Leidtragenden wie auch Treiber des Klimawandels, wurde erstmals ein gemeinsames Arbeitsprogramm auf die Agenda genommen. Dies sind alles Prozesse, die zu vielen weiteren Verhandlungen und auch Streitigkeiten führen werden.

Die Lücke zwischen Verhandlungen und Massnahmen füllen immer mehr nicht-staatliche Akteure. In Bonn wurde ihre wachsende Bedeutung deutlich: Es wurden neue Allianzen gebildet wie jene zum Ausstieg aus der Kohle bis 2030. Und US-Städte, -Bundesstaaten und -Grossunternehmen schlossen sich zusammen in "America's Pledge" (Amerikas Versprechen). Damit wollen sie die fehlende Führerschaft ihrer Regierung im Klimaschutz wettmachen.

"Der Geist ist aus der Flasche"

Es bleibt wie immer nach einer Klimakonferenz viel Arbeit und die Zeit drängt. Der deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber gibt sich aber zurückhaltend optimistisch.

Es habe ein Kulturwandel stattgefunden, an den sich manche Politiker "wohl erst noch gewöhnen müssten. Der Geist von Paris und Bonn "ist aus der Flasche und wird sich nicht mehr einfangen und zurückstopfen lassen", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

(AWP)