Börsen-Talk: «Aktien werden noch attraktiver»

Die rekordtiefen Zinsen im Euroraum drängen die Anleger noch stärker in Aktien, sagt Joachim Klement von Wellershoff & Partners. Wo dennoch die Risiken an der Börse liegen und was der EZB-Entscheid für die SNB bedeutet.
03.05.2013 01:00
Von Pascal Meisser
Joachim Klement, Chefstratege von Wellershoff & Partners, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Am Donnerstag drehte die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit zehn Monaten wieder an der Zinsschraube und senkte den Leitzins auf 0,5 Prozent – so tief wie noch nie seit der Einführung des Euros. Die rekordtiefen Zinsen haben auch für Anleger Folgen.

"Aktien werden gegenüber anderen Anlageklassen nun noch attraktiver", sagt Joachim Klement im cash-Börsen-Talk. Das führe bei Aktien zu einer schon fast perversen Situation. Der Anlagenotstand dränge die Anleger richtiggehend in die Aktien hinein, was diese seit inzwischen über neun Monaten beflügle, so der Chefstratege der Beratungsfirma Wellershoff & Partners.

Gleichzeitig würden aber viele Leute wahrnehmen, dass parallel zu den steigenden Aktienkursen die Konjunktur schwächer wird. "Dieser Widerspruch kann eine gewisse Zeit gut gehen", sagt Klement. Die Frage sei aber, wie lange noch. Für die nächsten drei Monate sieht er noch kein Warnsignal. Dennoch sagt er: "Das Ende des Bullenmarkts ist deutlich näher, als die Anleger sich bewusst sind. Es ist deshalb möglich, dass der nächste Bärenmarkt noch dieses Jahr gestartet wird."

SNB-Spielraum wird limitiert

Von den Konsequenzen der EZB-Zinssenkung sind aber nicht nur Anleger, sondern auch die Schweizerische Nationalbank betroffen. Diese Massnahme reduziert die Zinsdifferenz zwischen dem Euro-Raum und der Schweiz, was tendenziell den Aufwertungsdruck auf den Franken wieder verstärkt.

"Das limitiert den Spielraum der SNB, die Zinsen dereinst anzuheben, um beispielsweise der Vergabe von Hypotheken entgegenzuwirken", sagt Klement. In den letzten Monaten mehren sich die Stimmen, die vor einer Immobilienblase in der Schweiz warnen. Gegen steigende Immobilienpreise könne die SNB kaum noch konventionell – sprich mit einer Erhöhung der Hypothekarzinsen – ankämpfen. Klement  kann sich vorstellen, dass die SNB den antizyklischen Kapitalpuffer anheben wird.

Vor gut drei Monaten hatte der Bundesrat diese Massnahme aktiviert, um gegen die drohende Blasenbildung bei Immobilienpreisen anzukämpfen. Ab dem 30. September sind Banken verpflichtet, zusätzliche Eigenmittel von 1 Prozent der ausgegebenen Hypothekarkredite zu halten. Dieser Prozentsatz könnte in den kommenden Monaten schrittweise erhöht werden.

Im Börsen-Talk sagt Klement zudem, wieso die Zinssenkung der EZB ein wichtiger symbolischer Schritt sei und wie sich dieser auf die SNB-Untergrenze auswirken könne.