Börsen-Talk: «Ein SMI von 9000 liegt drin»

Das Börsenumfeld ist günstig, sagt Peter Casanova im cash-Börsen-Talk. Der Leiter Aktienanalyse der Bank J. Safra Sarasin sagt, welche Aktien Problemkinder sind und auf welche Titel Anleger setzen sollen.
18.10.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Peter Casanova, Leiter Aktienanalyse Bank J. Safra Sarasin.
Bild: cash

Der US-Finanzstreit wurde auf Anfang nächsten Jahres verschoben. In der Nacht auf Donnerstag haben die US-Politiker beschlossen, die Regierung bis Mitte Januar 2014 per Notbudget zu finanzieren und die Schuldenobergrenze bis zum kommenden Februar anzuheben.

"Man kann hoffen, dass sich die Streithähne besinnen und im kommenden Januar eine echte Lösung präsentieren werden", sagt Peter Casanova, Leiter Aktienanalyse bei der Bank J. Safra Sarasin, im cash-Börsen-Talk.

Mit grösseren Turbulenzen rechnet Casanova in Zukunft indes nicht. "Wir haben gesehen, dass die Börsen mittlerweile mit der Verschuldungssituation in den USA umgehen können". Weiter geht Casanova davon aus, dass die US-Politiker genügend Vernunft walten lassen, um mit ihren Streitereien das globale Finanzmarktsystem nicht kollabieren lassen.

SMI 9000 liegt drin

Casanova ist somit zuversichtlich, dass der Schweizer Aktienmarkt weiter steigen wird. Am Donnerstag knackte der Swiss Market Index (SMI) zum ersten Mal seit Ausbruch des amerikanischen "Government Shutdowns" Anfang Oktober die 8000 Punkte. Bis Ende Jahr dürfte der Schweizer Leitindex gemäss den Prognosen von Casanova gar auf 8200 Punkte steigen. Und damit noch nicht genug: "Bis Ende des ersten Quartals 2014 liegen sogar 9000 Punkte drin", so Casanova.

«Bei Sulzer steckt der Wurm drin»

Doch nicht alles ist Gold, was glänzt - auch nicht bei den Aktien. "Anleger, die Problemkinder im Depot haben, sollten diese jetzt verkaufen", so Casanova. Dazu zählt er zum Beispiel die Sulzer-Aktien. "Hier steckt seit Mitte Jahr der Wurm drin", sagt Casanova.

Der Winterthurer Technologiekonzern präsentierte am Donnerstag die Drittquartalszahlen und musste die Umsatzprognosen für das Gesamtjahr nach unten anpassen. Laut Casanova braucht die sonst gut positionierte Sulzer mehr Zeit und Geld, um wieder auf Touren zu kommen. Zudem sei die Aktie wenig attraktiv, was die Bewertung betreffe. Ein Kauf des Titels sei erst nach einer 20-prozentigen Kurskorrektur ein Thema, so Casanova.

Ein weiteres Problemkind ist laut Casanova Barry Callebaut. Die Bewertung der Aktie des weltgrössten Schokoladenproduzenten sei schlicht zu sportlich, so der Aktienanalyst. Aufgrund der schwierigen Situation in Ägypten sei auch der Immobilienentwickler Orascom Development ein No-Go. Wenig Aussicht auf höhere Gewinne hätten auch die Immobilienwerte PSP, SPS und BFW Liegenschaften. Hier belaste die sich abflachende Preisdynamik bei den Immobilien das Geschäft, so Casanova.

Irrationale Marktreaktion bei Richemont und Swatch

Bei den Luxusgüter-Valoren Swatch und Richemont hingegen sei der Zeitpunkt für einen Einstieg günstig, so Casanova. Beide Valoren mussten in den vergangen Tagen deutliche Kursverluste hinnehmen. Zu unrecht, wie Casanova sagt.

Beide Titel wurden vom französischen Konkurrenten LVMH wegen enttäuschender Quartalszahlen in Sippenhaft genommen. Doch diese ist laut Casanova ungerechtfertigt. Denn Swatch sei überhaupt nicht im Lederwarengeschäft tätig, bei Richemont mache diese Sparte bloss 7 Prozent des Umsatzes aus. Zum Vergleich: Bei LVMH sind es 50 Prozent. Hinzu kommt, dass Richemont das Lederwarengeschäft abstossen will.

 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Peter Casanova zu den anstehenden Quartalszahlen von Novartis und er sagt, weshalb er die Novartis der Roche vorzieht. Und er erklärt, weshalb Anleger gut bedient sind, keine zu hohen Erwartungen an die Zahlen der Credit Suisse zu stellen.