Börsen verdauen Trump-Schock überraschend schnell

Der Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen hat die Finanzmärkte rund um den Globus durchgerüttelt. Investoren verdauten den ersten Schock aber überraschend schnell.
09.11.2016 19:27
Der neue US-Präsident Donald Trump mit seinem Vizepräsidenten Michael Pence in New York kurz nach Bekanntgabe des Wahlresultats.
Der neue US-Präsident Donald Trump mit seinem Vizepräsidenten Michael Pence in New York kurz nach Bekanntgabe des Wahlresultats.
Bild: Bloomberg

Viele hoffen nun auf einen Konjunkturschub und einen pragmatischeren Politikstil des Milliardärs. Versöhnliche Töne in der Siegesrede des 70-jährigen Republikaners hatten die Nerven der Anleger beruhigt. "Trump hat sich in seiner Rede sehr präsidial gezeigt", sagte Devisenspezialist Jordan Rochester von der Investmentbank Nomura.

Der Dax ging am Mittwoch mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 10.646,01 Punkte aus dem Handel, nachdem er am Morgen noch Verluste von drei Prozent verzeichnet hatte. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent auf 3056,29 Zähler. Auch an den Börsen in London, Paris und der Schweiz legten die Auswahlindizes zu. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index der US-Standardwerte zu Börsenschluss in Europa ein Prozent fester.

Trump, der sich in einem harten Wahlkampf gegen die Demokratin Hillary Clinton durchgesetzt hatte, rief dazu auf, die Spaltung der Gesellschaft in seinem Land zu überwinden. Er wolle "fair" mit der Weltgemeinschaft umgehen. In den Wochen vor der Wahl hatten Börsianer starke Turbulenzen im Fall eines Sieges des Republikaners wegen umstrittener Reformen vorausgesagt. Tatsächlich rechnet die deutsche Wirtschaft mit einem Rückgang der Investitionen und Geschäftseinbußen wegen möglicher Handelsbeschränkungen.

Experten warnten daher, dass die Schwankungen an den Börsen erst einmal anhalten werden. "So lange sich nicht abzeichnet, in welche Richtung Donald Trump die USA politisch und wirtschaftlich steuert, wird die Unsicherheit an den Märkten hoch bleiben", sagte Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement bei der Union Investment.

BAU- UND PHARMAAKTIEN IM AUFWIND

Als Profiteure von Trumps Wahlsieg und einem angekündigten Infrastrukturprogramm gelten Firmen aus der Bauindustrie, unter anderem HeidelbergCement. Deren Titel legen 4,4 Prozent zu. Die Rivalen Buzzi Unichem und CRH gewannen sogar bis zu acht Prozent. "Nimmt man Trump beim Wort, so plant er deutlich niedrigere Steuern und höhere Ausgaben", sagte Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Deutsche Asset Management. "Das liefe auf ein stattliches staatliches Konjunkturprogramm hinaus, zu einem Zeitpunkt, an dem die USA bereits nahe an der Vollbeschäftigung sind."

Gefragt waren wegen Spekulationen auf steigende Militärausgaben auch Aktien von Rüstungsfirmen. Rheinmetall stiegen um 5,6 Prozent, Thales aus Frankreich zogen um 4,9 Prozent an. Auch Pharmawerte legten eine Rally aufs Parkett: Bayer gehörten mit einem Plus 5,2 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Pfizer gewannen gut acht Prozent. Wahlverliererin Clinton hatte sich in den vergangenen Monaten für Zwangsrabatte auf Medikamente stark gemacht.

Die Aussicht auf steigende Wirtschaftsinvestitionen half auch den Banken. Deutsche Bank machten Boden gut und gewannen 3,6 Prozent. JP Morgan und Goldman Sachs legten bis zu 4,9 Prozent zu. Unter Druck gerieten dagegen Aktien europäischer Autobauer, weil Anleger nun Geschäftseinbußen befürchten. Der europäische Branchenindex verlor zeitweise 4,5 Prozent, so viel wie kein anderer Sektor.

GOLD KANN GEWINNE NICHT HALTEN

Der Dollar-Index drehte im Handelsverlauf ins Plus und tendierte 0,5 Prozent höher bei 98,31 Punkten. Zuvor war er bis zu zwei Prozent nach unten gerauscht. Der Euro fiel auf 1,0920 Dollar zurück. Zwischenzeitlich war er bis auf ein Zwei-Monatshoch von 1,13 Dollar gestiegen.

Entspannung herrschte auch an den Rohstoffmärkten. Der Preis für die richtungsweisende Ölsorte Brent zog um 1,1 Prozent auf 46,57 Dollar je Fass an. Die "Antikrisen-Währung" Gold konnte dagegen ihre anfänglich starken Gewinne nicht halten. Der Goldpreis, der zunächst fünf Prozent zugelegt hatte, notierte zu Handelsschluss in Europa nur noch 0,4 Prozent im Plus bei 1279 Dollar je Feinunze.

Hart getroffen vom Wahlsieg Trumps wurde der mexikanische Peso. Der Dollar stieg um bis zu 13,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 20,77 Peso. Trump plant Strafzölle auf mexikanische Waren und will an der Grenze zu dem Nachbarland eine Mauer bauen.

(Reuters/cash)