Börsianer setzen auf US-Bilanzen

Der Beginn der Bilanzsaison in den USA bringt frischen Wind an die Aktienmärkte. Ein grosser Risikofaktor bleibt die Deutsche Bank, deren Aktien in den vergangenen Wochen eine rasante Berg- und Talfahrt hingelegt haben.
08.10.2016 16:28
Die grossen US-Unternehmen prägen das Börsengeschehen: Blick auf Manhatten, New York.
Die grossen US-Unternehmen prägen das Börsengeschehen: Blick auf Manhatten, New York.
Bild: Pixabay

Auf allzu grosse Sprünge sollten sich Anleger daher in der neuen Woche nach Meinung von Experten nicht einstellen. "Wegen der sich nähernden US-Präsidentschaftswahl befinden sich immer mehr Investoren in Lauerstellung", sagt Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Börsianer erwarten grosse Schwankungen an den Aktien- und Devisenmärkten, bis Anfang November klar ist, ob die Demokratin Hillary Clinton oder der Republikaner Donald Trump ins Weisse Haus einziehen wird. Am Sonntagabend Ortszeit werden sich die beiden Rivalen im zweiten TV-Duell erneut ein heisses Wortgefecht liefern.

Bei der Deutschen Bank ist derzeit noch offen, ob die vom US-Justizministerium in den Raum gestellte Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar geringer ausfällt. Finanzkreisen zufolge kann sie sich trotz der aktuellen Vertrauenskrise an den Märkten auf ihren Grossaktionär Katar verlassen. In der alten Woche gewannen die Titel des Instituts 4,5 Prozent. Die Krise der Deutschen Bank belastet Bankaktien insgesamt: Die Aktien der Credit Suisse und der UBS kamen in den letzten Tagen mehrfach unter Druck. Der SMI schloss die Börsenwoche am Freitag in etwa unverändert ab.

Dow Jones unter Druck

Unerwartet schwache Arbeitsmarktzahlen belasteten zum Wochenschluss indessen die Wall Street. In der US-Wirtschaft entstanden im September deutlich weniger Stellen als vorhergesagt, und die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum August um 0,1 Punkte auf fünf Prozent. Die Entwicklung ist auch für die US-Notenbank wichtig, weil sie einen robusten Job-Markt zur Bedingung für eine weitere Zinsanhebung gemacht hat.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 18.240 Zählern aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,3 Prozent auf 2153 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büsste ebenfalls 0,3 Prozent ein und endete auf einem Stand von 5291 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich für den Dow und die Nasdaq ein Verlust von jeweils 0,4 Prozent, für den S&P von 0,7 Prozent.

Alcoa-Ausblick spannend

Am Dienstag lässt sich Alcoa in die Bücher blicken. Die Zahlen des US-Aluminium-Herstellers eröffnen traditionell die Bilanzsaison in den USA und sind ein Indikator für die gesamte Konjunktur. "Hier wird spannend, welchen Ausblick Alcoa für 2017 geben wird", sagt Experte Halver. Am Freitag folgen die Grossbanken J.P. Morgan, Citigroup und Wells Fargo.

Diesseits des Atlantiks legen unter anderem der Konsumgüter-Hersteller Unilever (Donnerstag) und der Luxusgüter-Anbieter LVMH (Montag) ihre Zahlen vor. In der Schweiz erwarten die Anleger zwei Mal Umsatzzahlen: Am Montag vom Riechstoffespezialisten Givaudan und am Dienstag von Schraubenunternehmen Bossard.

Wie es um den gesamten Bankensektor steht, erörtern die G20-Finanzminister und Notenbankchefs am Wochenende. "Spannend wird in diesem Zusammenhang sein, inwieweit Signale gesendet werden, dass das Instrument Negativzins allmählich ausgereizt ist", sagt Ingo Mainert, Chef-Anlagestratege bei Allianz Global Investors. Wegen der ultra niedrigen Zinsen brechen Banken wichtige Einnahmequellen ab. Vor allem die Deutsche Bank steht im Fokus - sie wurde vom Internationalen Währungsfonds aufgefordert, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu präsentieren.

Geldpolitik bleibt auf dem Radar

Daneben beschäftigen sich Anleger mit dem Thema Geldpolitik. Aus den Mitschriften der jüngsten Fed-Sitzung (Mittwoch) werden sie herauszulesen versuchen, wann und wie schnell die US-Notenbank die Zinsen anheben wird. Gleiches gilt für die Äusserungen von Fed-Chefin Janet Yellen und ihren Kollegen, die im Laufe der neuen Woche vor die Mikrofone treten.

"Insgesamt sehen wir uns in unserer Prognose bestätigt, dass die Fed auf der Sitzung Anfang November kurz vor der Präsidentschaftswahl noch einmal still halten dürfte, aber im Dezember den nächsten Schritt wagt", zeigt sich Commerzbank-Ökonom Christoph Balz überzeugt. Derzeit liegt der Leitzins in den USA in einer Spanne zwischen 0,25 bis 0,5 Prozent.

Wichtige Hinweise auf den Kurs der US-Notenbank versprechen sich Börsianer am Freitag auch von Konjunkturdaten wie den Einzelhandelsumsätzen oder dem von der Universität Michigan ermittelten Stimmungsbarometer der US-Verbraucher. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

Am Donnerstag berät die Bank von England (BoE) über ihre Geldpolitik. Hier dreht sich alles um die Frage, ob sie nach ihrer Zinssenkung vom August noch einmal nachlegt, um die wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Referendums abzufedern. Börsianer rechnen allerdings nicht mit einer weiteren Absenkung. Selbst Premierministerin Theresa May warnte vor "negativen Nebeneffekten" einer lockeren Geldpolitik.

(Reuters)