Brexit als Gefahr für den Datenverkehr

Technologieunternehmen warnen, dass ein Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union den digitalen Verkehr blockieren und einen schnell wachsenden Teil der britischen Wirtschaft abwürgen könnte.
27.08.2016 16:10
Der Datenverkehr zwischen Grossbritannien und der EU steht vor einer unsicheren Zukunft.
Der Datenverkehr zwischen Grossbritannien und der EU steht vor einer unsicheren Zukunft.
Bild: ZVG

Wenn Verbraucher in der EU online einkaufen, werden ihre Kreditkartendaten und andere persönliche Informationen häufig an riesige Datenzentren in Grossbritannien übertragen. Telekom- und Technologiefirmen fordern nun von der britischen Regierung, bei den Brexit-Gesprächen auch auszuhandeln, dass die Internetgrenzen offen bleiben.

"Techfirmen und Betreiber von Datenzentren wollen Zusicherungen der Regierung, dass die Rechtssicherheit beim Datenaustausch zwischen Grossbritannien und der EU bei den bevorstehenden Verhandlungen vorrangige Bedeutung hat", sagte Charlotte Holloway, die bei TechUK für Brexit-Themen zuständig ist. Der Verband vertritt rund 900 Unternehmen, darunter BT Group, Vodafone Group und International Business Machines Corp.

Unterschiedlicher Datenschutz als Worst-Case-Szenario

In Grossbritannien sind laut TechUK rund 500 Serverfarmen ansässig, die für knapp 43 Prozent der europäischen Datencenter-Kapazität in den vier grössten digitalen Drehscheiben - Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Grossbritannien - stehen. Die Datenverarbeiter unterstützen einen Dienstleistungssektor, der 80 Prozent der britischen Wirtschaft repräsentiert. 

Sollten die Datenschutzvorschriften nach einem Brexit voneinander abweichen, könnten die Betreiber von Rechenzentren in die EU umziehen müssen, um deren Vorschriften zu erfüllen. Zudem könnte es notwendig werden, dass die EU und Grossbritannien eine separate Datenschutzvereinbarung aushandeln.

Branchenvertreter bezeichnen das als Worst-Case-Szenario, weil es zu langwierigen juristischen Problemen mit Datenschutzaktivisten aus der EU führen könnte.

(Bloomberg)