Brexit, Banken, Binnenmarkt - Frankfurt, Dublin? Wo es Londoner Banken hinzieht

Frankfurt und Dublin entpuppen sich als die grössten Nutznießer der Entscheidung Grossbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, was zu Lasten von London gehen dürfte. Auch UBS und Credit Suisse haben Umzugspläne.
25.03.2017 10:42
Niederlassung der Bank of China in der Londoner City.
Niederlassung der Bank of China in der Londoner City.
Bild: cash

Finanzkonzerne werden den Umzugs-Prozess wohl innerhalb von wenigen Wochen starten, nachdem Premierministerin Theresa May ein Datum für die Auslösung des formellen Mechanismus‘ zum Austritt festgelegt hat. Sie will die Scheidungspapiere am 29. März einreichen.

Bank of America, Standard Chartered und Barclays stehen davor, die irische Hauptstadt als ihre EU-Basis zu nutzen, um sich ununterbrochenen Zugang zu dem Binnenmarkt zu sichern, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr. Goldman Sachs und Citigroup haben hingegen Frankfurt im Visier, erklärten Top-Manager der Firmen und andere Personen, die mit den Plänen vertraut sind.

Hier ist eine Übersicht darüber, wie sich Banken in der Standort-Frage positioniert haben, beziehungsweise was bereits aus Kreisen durchgesickert ist.

UBS

Die grösste Schweizer Bank will eine finale Entscheidung darüber, ob bis zu 1500 der rund 5000 britischen Investmentbanking-Mitarbeiter umziehen werden, kurz nach der Auslösung des Brexit treffen. Das erklärte der UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber in diesem Monat.

Credit Suisse

Credit Suisse prüft angesichts des nahenden Austritts von Grossbritannien aus der EU Möglichkeiten einer Expansion in Dublin, wie zwei mit der Situation vertraute Personen im Januar sagten.

Bank of America

Die Bank sieht Dublin als Standard-Ziel für ein neues EU-Drehkreuz, falls Grossbritannien den einfachen Zugang zum Binnenmarkt verliert. Das erklärte Nikolaus Närger, zuständig für Corporate Banking in Deutschland, Schweiz und Österreich, in diesem Monat. Es sei wahrscheinlich, dass einige Stellen auch an andere Standorte, wie etwa Frankfurt, Madrid, Luxemburg und Amsterdam, verlagert werden. Eine finale Entscheidung gebe es noch nicht.

Goldman Sachs

Goldman Sachs werde nach dem EU-Austritt Grossbritanniens zunächst Hunderte in London ansässige Mitarbeiter in erweiterte Büros in der EU versetzen, sagte Richard Gnodde, Co-Leiter Investmentbanking, in einem Interview mit CNBC am Dienstag. Die Firma verfügt bereits über Vollbanklizenzen in Frankreich und Deutschland und werde im Zuge der Brexit-Notfallplanung die Belegschaften in diesen und anderen Büros in der Region ausbauen. Wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr, erwägt die Wall-Street-Firma, Frankfurt zu ihrem Haupt-Drehkreuz innerhalb der EU zu machen. Demnach könne die Bank bis zu 1000 Mitarbeiter verlagern, darunter Händler und führende Manager. CEO Lloyd Blankfein sagte öffentlich, sein Unternehmen habe Pläne auf Eis gelegt, weitere wichtige Geschäftsbereiche in Grossbritannien anzusiedeln.

J.P. Morgan Chase

Bereits vor dem Referendum hatte J.P. Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon erklärt, dass bis zu 4000 der insgesamt 16'000 britischen Mitarbeiter nach dem Brexit auf den Kontinent verlagert werden könnten. Das Unternehmen hat sich Kreisen zufolge Büros sowohl in Dublin als auch Frankfurt angeschaut.

HSBC

HSBC könnte Handelsgeschäfte, die rund 20 Prozent vom Investmentbanken-Ertrag in London generieren, nach Paris verlagern, erklärte CEO Stuart Gulliver im Januar. Speziell Aktivitäten, die der EU-Rechtsprechung unterliegen, seien betroffen.

Barclays

Barclays will in Dublin zusätzlich 150 Mitarbeiter ansiedeln, wenn britische Finanzinstitutionen den einfachen Zugang zur EU verlieren, sagten Personen mit Kenntnis der Entscheidung zu Beginn des Jahres.

Standard Chartered

Standard Chartered erwägt, Dublin nach dem Brexit zum Rechtssitz innerhalb der EU zu machen. Das erfuhr Bloomberg im Dezember von Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Eine finale Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Bank spreche auch mit der deutschen Aufsicht darüber, Frankfurt alternativ auszuwählen.

Citigroup

Citigroup prüft Standorte für die Verlagerung von Broker-Dealer-Geschäftsbereichen aus London - darunter Irland, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und die Niederlande, sagte Jim Cowles, Chef für die Region Europa/Naher Osten/Afrika, am 24. Januar auf einer Konferenz in Dublin. Das Unternehmen habe noch keine abschliessenden Entscheidungen zu Standorten getroffen, er rechne damit bis zur Jahresmitte.

Morgan Stanley

Laut einem Bericht von Bloomberg vor dem Referendum dürfte das Unternehmen wahrscheinlich 1000 der rund 6000 Mitarbeiter in Grossbritannien beim Brexit aus dem Land abziehen. Morgan-Stanley-President Colm Kelleher erklärte, dass die Bank ihre regionale Zentrale wohl nach Dublin oder Frankfurt verlagern würde. Vorerst könnten dabei rund 300 Mitarbeiter in eine der beiden Städte transferiert werden. Manager des Konzerns machten auch deutlich, dass sie New York als grossen Gewinner sehen, da viele US-Firmen einige Mitarbeiter gleich ganz aus Europa abziehen dürften.

Daiwa

Daiwa Securities prüft Frankfurt und Dublin neben anderen Städten als Standort für europäische Geschäfte, die nach dem Brexit aus London wegverlegt werden. Das sagte CEO Takashi Hibino. Der Broker aus Tokio wird nach seinen Worten eine Gesellschaft in der EU aufbauen müssen, mit entsprechender Lizenz, um Zugang zum Binnenmarkt zu behalten - und spiele dazu Szenarien mit Beratern durch. Das Unternehmen beschäftigt etwa 450 Mitarbeiter in Europa, überwiegend in London.

Lloyds Banking Group

Die Bank will ihre deutsche Filiale in Berlin in eine eigenständige Tochter umwandeln und muss noch eine Ausweitung der entsprechenden Bank-Lizenz beantragen. Das erfuhr Bloomberg im vergangenen Monat aus informierten Kreisen. Eine geringe Anzahl von Arbeitsplätzen würde von London in die deutsche Hauptstadt verlagert werden.

BOC, Sumitomo, Mizuho und Mitsubishi UFJ

Von den grossen asiatischen Banken prüfen Bank of China, Sumitomo Mitsui Financial Group und Mizuho Dublin als Standort für ihre EU-Basis. Bei Mizuho ist auch eine Verlagerung nach Amsterdam möglich, worüber Mitsubishi UFJ ebenfalls nachdenkt.

(Bloomberg)