Brexit - Britische Firmen geschäften bereits mit Banken auf dem Kontinent

Die Grossbank HSBC hat festgestellt, dass einige ihrer grössten Kunden Geschäfte bereits über die Geschäftsstellen der Bank auf dem Kontinent abwickeln wollen.
17.04.2017 10:27
HSBC-Schriftzug an einer Niederlassung der Bank in Luxemburg.
HSBC-Schriftzug an einer Niederlassung der Bank in Luxemburg.
Bild: cash

Sie möchten nicht darauf warten, welche Vereinbarungen Grossbritannien in seinen Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union trifft. "Eine kleine Anzahl unserer grösseren Kunden, bittet uns, mehr Handels- und Devisengeschäfte ihrer Frankreich-Operationen über unsere Geschäftsstelle in Paris zu verbuchen statt über ihre Niederlassungen in Grossbritannien", sagt Noel Quinn, Leiter Global Commercial Banking im Interview mit Bloomberg.

Manager bei multinationalen Konzernen "machen Pläne, um sicherzustellen, dass sie weiter Handel betreiben können - egal was am Ende herauskommt. Sie können es sich nicht leisten abzuwarten, bis nach möglicherweise erst zwei Jahren eine Entscheidung fällt."

Die global tätigen Banken haben mit den Vorbereitungen begonnen, einige Geschäftsbereiche aus Grossbritannien weg zu neuen oder erweiterten Geschäftsstellen innerhalb der Europäischen Union zu verlagern. Privat gehen viele der Manager der weltgrössten Banken mittlerweile davon aus, dass es am Ende einen "harten Brexit" geben wird, und sie damit die Berechtigung verlieren werden, ihre Dienste und Produkte von Grossbritannien aus in der gesamten EU anzubieten. Das bedeutet, sie müssen, bevor die zweijährige Verhandlungsphase endet, entsprechende Pläne parat haben.

Steuerausfälle drohen

Quinn zufolge überlegen auch einige Unternehmen, ihre regionale Zentrale von Grossbritannien weg zu europäischen Städten auf dem Kontinent zu verlagern. Dazu müssten sie den britischen Standort zu einer Länderniederlassung umfirmieren, die dann der kontinentaleuropäischen Zentrale rechtlich untergeordnet wird. Das könnte auch zur Verlagerung von Jobs in kleinerem Umfang und zu Steuerausfällen für den britischen Staat führen, da die Verbuchung der operativen Geschäfte anderswo erfolgt.

"Grössere Unternehmen, die bereits eine pan-europäische Präsenz haben, finden es einfacher, einen Plan B zu erstellen als kleinere", sagte Quinn. "Sie verlieren nicht den Glauben an Grossbritannien, aber die Realität ist, dass Unternehmen oder auch die Personen selbst, anfangen ihre Entscheidungen zu treffen, bevor es Antworten aus dem Brexit-Verfahren gibt."

(Bloomberg)