Brexit: Franken schwächt sich nach Schliessung der Wahllokale ab

London (awp/sda/dpa) - Die Finanzmärkte scheinen fest mit einem Verbleib Grossbritanniens in der EU zu rechnen. Das britische Pfund Sterling ist nach Schliessung der Wahllokale im EU-Referendum deutlich gestiegen, der Franken verlor gleichzeitig deutlich an Wert.
24.06.2016 01:17

Nachdem eine Wähler-Nachbefragung am Donnerstagabend auf einen knappen Sieg der Brexit-Gegner hindeutete, stieg der Kurs vorübergehend auf über 1,50 Dollar. Damit war das Pfund so viel wert wie seit Dezember 2015 nicht mehr. Die britische Währung hatte bereits in den vergangenen Tagen zugelegt.

Der Schweizer Franken hatte als sicherer Hafen in den vergangenen Wochen stark an Wert gewonnen, weil bei einem Brexit mit Turbulenzen an den Finanzmärkten gerechnet wird. Nach Schliessung der Wahllokale und der Publikation einer Umfrage, die auf einen EU-Verbleib deutet, schwächte sich die Währung dagegen deutlich ab.

Ein Euro kostete erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder leicht über 1.10 Franken, nachdem der Kurs zeitweise auf fast 1.08 gesunken war. Auch zum Pfund schwächte sich der Franken ab: Kostete ein Pfund am Mittwoch rund 1.42 Franken, waren es in der Nacht auf Freitag über 1.44 Franken. Zum Dollar war die Abschwächung weniger markant. Ähnlich wie der Franken schwächte sich auch der japanische Yen ab.

Farage zitiert Finanz-Umfragen

Die Kurs-Entwicklungen an den Finanzmärkten lassen vermuten, dass die Devisenhändler auf einen Verbleib des Königreichs in der EU spekulieren. Darauf deuten aber auch Äusserungen des Chefs der EU-skeptischen UKIP-Partei, Nigel Farage, hin, der aufgrund von Nachwahlbefragungen der Finanzindustrie mit einer Niederlage rechnet.

Farage hatte kurz nach Schliessung der Wahllokale gesagt, er glaube die EU-Befürworter würden "knapp gewinnen". Später erklärte er der britischen Presseagentur PA, er sei zu diesem Schluss gekommen aufgrund dessen, was er von Freunden aus der Finanzwirtschaft wisse, die grosse Befragungen in Auftrag gegeben hätten.

Unmittelbar nach Schliessung der Abstimmungslokale hatte das Institut YouGov eine Umfrage publiziert, wonach die EU-Befürworter mit 52 Prozent knapp vorne liegen. Das Online-Institut wollte die Erhebung aber nicht als klassische Nachwahlbefragung oder Prognose verstanden wissen.

(AWP)