Brexit lässt drei Viertel britischer CEO neuen Standort erwägen

Droht den Briten eine Massenflucht der Unternehmen? Drei Viertel der CEO erwägt wegen des EU-Austritts eine Standortverlagerung. Allerdings handelt es sich eher um Szenarien als um konkrete Pläne.
01.10.2016 06:10
Blick über Royal Naval College und die Themse auf den Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf.
Blick über Royal Naval College und die Themse auf den Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf.
Bild: Pixabay

Das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union hat dafür gesorgt, dass drei Viertel der Unternehmenschefs die Verlegung ihres Hauptsitzes oder Verlagerung ihres Geschäftsbetriebs aus Grossbritannien in Betracht ziehen. Das ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 100 Firmenchefs.

Etwa 72 Prozent der befragten CEO gaben der Mitteilung von KPMG zufolge an, bei dem Brexit-Referendum am 23. Juni für einen Verbleib in der EU gestimmt zu haben. Obwohl 69 Prozent die Wachstumsaussichten der britischen Wirtschaft positiv betrachten und 73 Prozent zuversichtlich sind, dass ihre Unternehmen expandieren werden, erwägen doch 76 Prozent der Befragten irgendeine Form des Standortwechsels.

"Die CEOs reagieren auf die vorherrschende Unsicherheit mit Eventualplanungen", erklärte UK Chairman Simon Collins von KPMG in der Mitteilung. "Mehr als die Hälfte glaubt, dass Grossbritanniens Fähigkeit, Geschäfte zu tätigen, mit dem Eintreten des Brexit beeinträchtigt wird. Darum ist es für viele CEO wichtig, verschiedene Szenarien zu planen, um sich gegen künftige Störungen des Geschäfts abzusichern." 

Zusagen erwünscht

Die Umfrage signalisiert, dass Premierministerin Theresa May noch eine Menge Arbeit vor sich hat, um Unternehmen und Arbeitsplätze in Grossbritannien zu halten. Vor dem Referendum hatte der damalige Schatzkanzler George Osborne gesagt, dass ein Votum für einen EU-Austritt bis zu 820'000 Stellen gefährden würde.

Collins zufolge sollten sich die Politiker in Grossbritannien Sorgen darüber machen, dass britische Firmen schleichend ins Ausland ausweichen, und sollten daher früh das Gespräch suchen und Zusagen machen, was sie ihnen bieten können. "Eventualplanung ist eben nur das - eine Form der Absicherung -, aber sie darf nicht zum 'Plan A' werden", sagte er. "Den Hauptsitz ins Ausland zu verlegen ist radikal und macht Schlagzeilen. Doch die Unternehmen könnten damit anfangen, mit wenig öffentlicher Aufmerksamkeit ihre Betriebsaktivitäten ins Ausland zu verlagern. Wir hören immer wieder, dass Unternehmen Sicherheit brauchen."

KPMG befragte 100 britische CEOs von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Pfund und wenigstens 500 Angestellten. Die Umfrage innerhalb von vier Wochen ab Mitte Juli durchgeführt.

(Bloomberg)