Brexit macht Frankfurter Immobilienmakler glücklich

Nach dem Brexit rechnen viele mit einem Exodus der Banker aus London heraus, hin zu anderen Finanzzentren. Zu den Nutzniessern könnte Frankfurt gehören.
17.07.2016 13:55

Die Commerzbank reibt sich bereits die Hände. Sie lotet gerade aus, wie sich ihre Frankfurter Konzernzentrale am besten verkaufen lässt. 600 bis 650 Millionen Euro sind bislang für den gelben Büroturm im Herzen der Stadt aufgerufen, mit 300 Metern der höchste in Deutschland. Der Mega-Deal könnte sogar noch mehr bringen, denn er kommt genau zur richtigen Zeit: Nach dem Brexit-Referendum rechnen viele mit einem Exodus der Banker aus London heraus, hin zu Finanzzentren in der Europäischen Union, etwa nach Frankfurt.

Branchenexperten erwarten deshalb steigende Immobilienpreise in der Mainmetropole. Das gilt vor allem für vollvermietete Hochhäuser in Bestlagen wie eben der Commerzbank-Tower. Um solche Anlageobjekte reissen sich renditehungrige Grossinvestoren. Frankfurt mag schon jetzt der teuerste Bürostandort im Land sein - im internationalen Vergleich sind die Flächen noch ein Schnäppchen.

"Frankfurt wird in den nächsten zwei bis drei Jahren einer der Profiteure des Brexit sein", ist sich Ulrich Höller, Chef der Immobiliengruppe GEG, sicher. "Die Preise waren schon bislang auf überdurchschnittlichem Niveau - jetzt dürfte es weiter nach oben gehen. Frankfurt ist die internationalste Stadt Deutschlands, die sich bereits durch eine gewachsene Infrastruktur für die Finanzbranche auszeichnet." Höller selbst dürfte eine Aufwärtsspirale bei den Einkaufspreisen nicht recht sein, zumindest nicht kurzfristig.

Denn er ist mit der erst 2015 gegründeten German Estate Group (GEG), die den Finanzinvestor KKR im Rücken hat, gerade selbst auf grosser Shopping-Tour in Sachen Gewerbeflächen. Schlagkräftige Pensionsfonds etwa aus Asien könnten ihm das Leben schwermachen, wenn sie ihre Milliarden aus London nach Frankfurt umleiten. Langfristig aber frohlocken viele heimische Immobilien-Manager. Sie spekulieren auf satte Gewinne beim Weiterverkauf von Gebäuden und auf rasant anziehende Mieten. Nicht umsonst werden gerade auch etliche Bürotürme komplett neu gebaut.

Banken verhalten sich wie die Lemminge

Schätzungen gehen davon aus, dass im besten Fall 10.000 Banker von London nach Frankfurt ziehen könnten. Sie bräuchten etwa 200.000 Quadratmeter Bürofläche, rechnet Oliver Barth vor, Frankfurter Niederlassungsleiter des Beratungshauses BNP Paribas Real Estate. Er hat keine Zweifel, dass die Stadt die Neuankömmlinge verdauen kann. Ein Vielfaches der benötigten Fläche steht derzeit leer, die Quote liegt bei über zehn Prozent.

Makler klagen seit Jahren, in Frankfurt gebe es einen "Sockel-Leerstand", der sich einfach nicht abtragen lasse. Denn gefragt sind immer nur die schicksten Büros in der Innenstadt. Gebäude, die in die Jahre gekommen sind oder die falsche Adresse haben, interessieren die um ihr Image bedachten Finanzfirmen nicht. Alle drängen wie die Lemminge Richtung City.

Das dürfte sich auch mit dem erhofften Brexit-Effekt nicht ändern. Vielmehr schätzt Barth: "Das Angebot an Büroflächen in zentraler Innenstadtlage dürfte sich verknappen, die Spitzenmiete daher weiter nach oben gehen. Aber kurzfristig eher in kleinen Schritten von zunächst 38 Euro pro Quadratmeter auf über 39 Euro." Das ist noch immer weit entfernt von London, wo der Quadratmeterpreis bei 160 Euro liegt. In Paris sind es 67 Euro, in Dublin 49 Euro.

8'000 Euro pro Quadratmeter

Auch Wohnen ist in Frankfurt im internationalen Vergleich noch preiswert, argumentiert Hubertus Väth, der als Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance die Werbetrommel rührt. "Bei den Mieten liegen wir heute bei einem Viertel von London, der Hälfte von Paris und einem Drittel weniger als in Luxemburg. Die Mieten sind für ein Finanzzentrum verdammt günstig."

Die Sorgen vieler Frankfurter Familien vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten kann er nachvollziehen. Trotzdem überwiegen für Väth eindeutig die Chancen für Frankfurt, etwa die langfristige Arbeitsplatzsicherheit durch das erwartete Wachstum der Finanzbranche. "Das überkompensiert mögliche negative Effekte deutlich."

Vielen Normalverdienern dürfte der Vergleich zu London egal sein. Die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter liegt in Frankfurt inzwischen bei fast 14 Euro - doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Das Angebot an bezahlbaren Wohnungen in der Stadt ist schon jetzt knapp.

Die Banker können es sich freilich leisten, Wohnungen gleich zu kaufen. "Makler berichten schon jetzt, dass die Nachfrage nach Eigentumswohnungen nach dem britischen Referendum spürbar angezogen hat", erzählt Oliver Beyer, Experte für Immobilientransaktionen bei der Kanzlei Simmons & Simmons.

Wie gross das Interesse an Luxuswohnungen ist, zeigt das "Maintor" - ein Gebäudekomplex aus Büros und Wohnungen, der in den vergangenen Jahren am Rande der Frankfurter Altstadt in unmittelbarer Main-Nähe hochgezogen wurde. Der Quadratmeter war bei Baubeginn für knapp 8.000 Euro zu haben. Ende 2013 waren alle Wohnungen verkauft, die Penthouses als erstes. Die Preisentwicklung seitdem: plus zehn Prozent.

(Reuters)