BREXIT/Zittern in London: Austritts-Lager verbucht erste Teilerfolge

(Ausführliche Fassung)
24.06.2016 02:51

LONDON (awp international) - In Grossbritannien gibt es bei dem historischen EU-Referendum ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwar gehen erste Wähler-Nachbefragungen von einem knappen Sieg des Pro-EU-Lagers aus. Doch erste Teilergebnisse lassen die Brexit-Befürworter hoffen.

In der nordostenglischen Stadt Sunderland stimmten 61 Prozent für einen Ausstieg aus der EU, lediglich 39 Prozent für einen Verbleib - der Erfolg des Brexit-Lagers fiel dort erheblich klarer aus als erwartet. Nach Auszahlung von acht der 382 Wahlbezirke lag das Lager der Austritts-Anhänger knapp in Führung. Nach einem ersten Anstieg fiel das Pfund auf den internationalen Finanzmärkten so stark wie seit 2009 nicht.

NEWCASTLE MIT ÜBERRASCHEND KLEINEM EU-BEFÜRWORTER-VORSPRUNG

Das Institut YouGov hatte in ersten Wähler-Nachbefragungen nur Minuten nach Schliessung der Wahllokale eine Mehrheit von 52 Prozent für den Verbleib in der Gemeinschaft ermittelt. Lediglich 48 Prozent hätten für den Brexit votiert. Das Institut Ipsos Mori kam gar zu einem Ergebnis von 54:46 Prozent. Doch die Zahlen entsprechen nicht klassischen Wahlprognosen, sie gelten als weniger verlässlich.

In der Labour-Hochburg Newcastle behielten die EU-Befürworter zwar die Oberhand - doch hier fiel das Ergebnis weitaus knapper als erwartet aus. Rund 51 Prozent votierten hier für Drinbleiben, 49 Prozent für Rausgehen.

UKIP-CHEF RECHNET MIT VERBLEIB

Allerdings stimmte der Chef der EU-feindlichen Partei Ukip, Nigel Farage, seine Anhänger bereits auf eine Niederlage ein. Er gehe davon aus, dass das "Remain"-Lager knapp gewinne, sagte er kurz nach Schliessung der Wahllokale. Wenig später meinte er aber, er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben: "Ich gebe mich nicht geschlagen."

84 konservative Abgeordnete, die pro Brexit sind, forderten nach Angaben eines Parlamentariers Premierminister David Cameron zum Verbleib im Amt aufgefordert. Cameron hatte sich vehement für ein Drinbleiben ausgesprochen. Er solle in jedem Fall weiterhin Premier bleiben, wie auch immer das Referendum ausfalle, heisst es in dem Brief, den der konservative Abgeordnete Robert Syms auf Twitter veröffentlichte. Unter den Abgeordneten, die den Brief unterzeichnet haben, ist auch Boris Johnson, Camerons ärgster Gegenspieler im Wahlkampf.

WETTQUOTEN GEGEN BREXIT

Umfragen hatten bis zuletzt ein enges Rennen vorhergesagt, die Wettquoten standen am Donnerstag aber gegen den Brexit. 46,5 Millionen Wähler hatten sich registriert, viele von ihnen waren bis zuletzt unentschlossen.

Ein Brexit würde die EU in die wohl schwerste Krise ihrer Geschichte stürzen. Viele europäische Politiker hatten die Briten vor einem Austritt gewarnt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Institutionen sagten wirtschaftliche Turbulenzen im Falle eines Brexit voraus.

CAMERON BEDANKT SICH BEI PRO-WÄHLERN

Finanzexperten gehen davon aus, dass das Pfund bei einer Mehrheit für den EU-Austritt dramatisch abstürzen könnten. EU-Politiker befürchten, dass ein Brexit Austrittswünsche in anderen Ländern beflügeln würde.

Cameron bedankte sich bereits bei allen Pro-EU-Wählern. "Dank an alle, die dafür gestimmt haben, dass Grossbritannien stärker, sicherer und besser in Europa bleibt", schrieb er auf Twitter. Auch Johnson dankte per Twitter seinen Unterstützern./pm/ted/dm/cmy/DP/he

(AWP)