Briten auch nach letzter TV-Debatte Johnson-Corbyn gespalten

Knapp eine Woche vor der Parlamentswahl läuft der Labour-Partei die Zeit davon: Die Konservativen von Regierungschef Johnson führen in Umfragen deutlich. Das letzte TV-Duell am Freitagabend brachte keine Wende.
07.12.2019 17:32

Einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge waren die Zuschauer gespalten in der Frage, wer die Debatte gewonnen hat. 52 Prozent sahen Johnson als Sieger, für 48 Prozent schnitt Corbyn besser ab. Die 1322 Befragten stuften aber den Labour-Chef (48 Prozent) als vertrauenswürdiger ein als Johnson (38 Prozent).

Der Brexit, der marode staatliche Gesundheitsdienst NHS, die jüngste Terrorattacke in London, Antisemitismus und Rassismus gehörten zu den Themen in der Fernsehdebatte, die von der BBC übertragen wurde.

Johnson warf Corbyn Führungsversagen vor, weil dieser zu lasch gegen antisemitische Tendenzen in seiner Partei vorgegangen sei. Der Labour-Chef konterte, dass "kein Platz" für Antisemitismus in seiner Partei sei und hielt Johnson umgehend rassistische Kommentare vor. Der Tory-Politiker hatte in der Vergangenheit beispielsweise Frauen, die Burkas tragen, mit Bankräubern verglichen.

Schottische Regierungschefin findet beide erbärmlich

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon, deren Schottische Nationalpartei SNP drittstärkste Kraft im Parlament werden dürfte, sah gleich beide als Verlierer: "Das war ganz und gar erbärmlich. Zwei Männer ohne Inspiration, beide ungeeignet, Premierminister zu sein", schrieb sie im Kurznachrichtendienst Twitter.

Vor der Debatte hatten sich auch die beiden ehemaligen Premierminister John Major (Konservative) und Tony Blair (Labour) zu der Wahl geäussert. Beide riefen dazu auf, für Kandidaten zu stimmen, die Johnsons Brexit-Deal ablehnen.

Johnson will das Land mit seinem neu verhandelten Austrittsabkommen zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union führen. Dafür braucht er eine stabile Mehrheit. Seine Vorgängerin Theresa May war mit ihrem Abkommen drei Mal im Parlament gescheitert.

Corbyn will den Austritt dagegen noch einmal verschieben und innerhalb von drei Monaten ein neues Abkommen mit Brüssel aushandeln. Ihm schwebt ein Brexit mit sehr enger Bindung an die EU vor. Seinen Deal will er den Briten in einem Referendum zur Abstimmung vorlegen - mit dem Verbleib in der Staatengemeinschaft als Alternative. Corbyn selbst will dabei neutral bleiben, wie er erst kürzlich bekanntgab.

Labour hat kaum Aussichten auf eine eigene Mehrheit und müsste darauf hoffen, nach der Wahl mit Hilfe von kleineren Parteien eine Minderheitsregierung bilden zu können.

(AWP)