Briten bieten laut Pressebericht gut 20 Milliarden Euro in Brexit-Verhandlungen

Die britische Regierung will nach einem Pressebericht nur einen Bruchteil der von der EU präsentierten Rechnung für den Austritt aus der Gemeinschaft begleichen. Premierministerin Theresa May werde bei den Verhandlungen gut 20 Milliarden Euro anbieten, schrieb die "Financial Times" am Dienstagabend unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die EU-Kommission fordert dagegen bis zu 100 Milliarden Euro für gemeinsam eingegangene Verpflichtungen.
20.09.2017 07:59

Offiziell hat die britische Regierung noch keine Summe geboten. In den Medien des Landes kursierte zwischenzeitlich die Zahl von 40 Milliarden Euro, die aber prompt aus der Downing Street dementiert worden war. Über das jetzige Angebot habe der wichtigste britische Unterhändler auf Beamtenebene, Oliver Robbins, seine Gesprächspartner in mehreren europäischen Ländern informiert, schrieb die "FT", darunter auch die deutsche Regierung. Die Hoffnung der Briten sei, dass nun Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen komme.

Theresa May wolle das Angebot über die gut 20 Milliarden Euro bei einer Rede über den Stand der Brexit-Verhandlungen in Florenz verkünden, hiess es weiter. Die Rede findet Freitag statt, am Donnerstag soll demnach das Kabinett informiert werden.

Bislang gestalten sich die Verhandlungen über den EU-Austritt Grossbritanniens ausgesprochen zäh. Dabei drängt die Zeit. Die Mitgliedschaft endet im März 2019, und ohne ein Austrittsabkommen drohen Verwerfungen für Millionen Bürger und für die Wirtschaft. Der britischen Regierung ist deshalb daran gelegen, so schnell wie möglich ein Handelsabkommen abzuschliessen. Brüssel besteht jedoch darauf, die umstrittene Schlussrechnung zuerst zu klären.

Beim Streit ums Geld geht es um gemeinsam eingegangene EU-Finanzverpflichtungen für Haushalt, Fördertöpfe oder Pensionslasten. Nach EU-Schätzungen soll London bis zu 100 Milliarden Euro zahlen, und zwar noch Jahre nach dem Brexit, bis etwa 2023, wie EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger jüngst sagte./das/stk

(AWP)