Britischen Bankern gehts mit dem Brexit zu schnell

Banken in Grossbritannien fürchten, dass die Frist zur Umstellung der Geschäftsmodelle auf den Brexit zu knapp bemessen ist.
14.09.2016 16:25
Die britischen Banken wollen mehr Zeit für die «Scheidungs»-Vorbereitungen von der EU.
Die britischen Banken wollen mehr Zeit für die «Scheidungs»-Vorbereitungen von der EU.
Bild: Pixabay

Die für die Ausstiegsverhandlungen mit der EU vorgesehenen zwei Jahre seien dafür nicht ausreichend, klagten mehrere Branchenvertreter am Mittwoch vor einem Ausschuss des Oberhauses in London. "Es handelt sich um einen mehrjährigen Prozess, wenn er sicher abgeschlossen und die Finanzstabilität nicht in Gefahr geraten soll", sagte Top-Manager Alex Wilmot-Sitwell von der Bank of America Merrill Lynch. Er veranschlage dafür bis zu drei Jahre. Führungskraft Douglas Flint von der Grossbank HSBC stiess ins gleiche Horn: Ein Londoner Geldhaus brauche mehrere Jahre für die riesige Aufgabe, einen Ableger in der EU aus dem Boden zu stampfen.

Die Briten hatten sich im Juni mehrheitlich dafür entschieden, die EU zu verlassen. Doch erst wenn die Regierung in London ihr Austrittsgesuch nach Artikel 50 der EU-Verträge übermittelt hat, können die Verhandlungen beginnen. Und Premierministerin Theresa May will den Antrag nicht vor Ende des Jahres stellen.

Für den Londoner Finanzplatz ist vor allem der sogenannte EU-Pass wichtig. Er ermöglicht Banken den ungehinderten Zugang zu den Kapitalmärkten der EU. Finanzminister Philip Hammond will nach eigenen Worten bei den Verhandlungen das Beste herausholen, damit London seine Führungsrolle als Finanzzentrum behalten könne. Die britischen Geldhäuser streben einen gleitenden Übergang an. Für die Verhandlungen über die Bedingungen des Brexit sind nach EU-Recht zwei Jahre vorgesehen. Der Europäische Rat könnte diese Frist theoretisch jedoch einstimmig und im Einvernehmen mit Grossbritannien verlängern.

(Reuters)