Britischer EU-Botschafter tritt kurz vor Verhandlungen zurück

(neu: Äusserungen Farage, Clegg)
03.01.2017 19:37

LONDON (awp international) - Wenige Wochen vor Beginn der Brexit-Verhandlungen ist der ständige Vertreter Grossbritanniens bei der Europäischen Union, Sir Ivan Rogers, zurückgetreten. Einen entsprechenden Zeitungsbericht bestätigte die britische EU-Botschaft in Brüssel am Dienstag. Rogers hätte offiziell noch bis Oktober im Amt bleiben sollen.

Der Diplomat hatte zuletzt für Aufsehen mit der Einschätzung gesorgt, die Verhandlungen über ein Abkommen Grossbritanniens mit der EU zur Regelung des EU-Austritts könnten zehn Jahre dauern. Und selbst dann könne ein Abkommen noch an der Ratifizierung in einem der nationalen Parlamente scheitern. Das hatte ihm scharfe Kritik von Befürwortern eines klaren Bruchs mit Brüssel eingebracht.

"Sir Ivans hat diese Entscheidung getroffen, um einem Nachfolger Platz zu machen, bevor Grossbritannien Ende März Artikel 50 auslöst", heisst es in einer Mitteilung. Artikel 50 des Vertrags von Lissabon regelt den Austritt eines Landes aus der EU.

Der ehemalige Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei in Grossbritannien, Nigel Farage, forderte, nun einen "strammen Brexit-Befürworter" auf den Posten zu berufen.

Der Vorsitzende des Brexit-Ausschusses im britischen Parlament, Hilary Benn (Labour), bezeichnete den Rücktritt des Diplomaten als "keine gute Sache". Rogers, der Grossbritannien seit 2013 in Brüssel vertritt, gilt als profunder Kenner der EU. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen des damaligen Premierministers David Cameron über Ausnahmeregelungen für das Land vor dem Brexit-Referendum.

Auch der ehemalige Chef der Liberalen, Nick Clegg, bedauerte den Rücktritt Rogers. "Wenn es wahr ist, dass er von übel gesonnenen Brexit-Befürwortern in der Regierung aus dem Amt getrieben wurde, wäre das ein spektakuläres Eigentor", sagte Clegg der BBC.

Die Briten hatten im vergangenen Jahr in einem historischen Referendum mit knapper Mehrheit den Austritt ihres Landes aus der EU beschlossen./cmy/DP/he

(AWP)