Brüssel stellt Kriterien für umstrittene Chemikalien vor

Brüssel (awp/sda/dpa/apf) - Nach Jahren des Zögerns hat die EU-Kommission Kriterien zur Definition von hormonstörenden Stoffen in Pflanzenschutzmitteln und Bioziden wie Desinfektions- oder Holzschutzmittel vorgeschlagen. Grundlage für die Einschätzung sollen die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sein.
15.06.2016 16:43

Dank der Definition solle es künftig besser möglich sein, Substanzen mit schädlicher hormoneller Wirkung zu erkennen, teilte die EU-Behörde am Mittwoch in Brüssel mit.

Die WHO definiert einen Stoff als sogenannten endokrinen Disruptor, wenn er schädigende Wirkung für die menschliche Gesundheit hat, im Blut wirksam wird (endokrine Wirkungsweise) und ein Zusammenhang zwischen der schädigenden Wirkung und der Veränderung im Blut besteht.

Neu sollen nun die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die EU-Chemikalienagentur (ECHA) die Gefährlichkeit konkreter Substanzen bewerten. Gefährliche Stoffe können verboten werden.

Um das festzustellen, sollen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse herangezogen und einer "robusten systematischen Überprüfung" unterzogen werden, hiess es von der EU-Kommission.

SEIT 20 JAHREN EIN THEMA

Seit gut 20 Jahren weisen Forscher auf negative Auswirkungen von hormonstörenden Stoffen auf den menschlichen Organismus hin. Die schlechtere Qualität von Spermien oder der frühzeitige Beginn der Pubertät könnten Auswirkungen endokriner Disruptoren sein.

Sie kommen neben Pflanzenschutzmitteln zum Beispiel in Kunststoffprodukten, Baustoffen, Möbeln oder Fussbodenbelägen vor. Stoffe mit Auswirkungen auf den Hormonhaushalt von Mensch und Tier können aber auch natürlich in Lebensmitteln vorkommen, etwa in Nüssen oder Sojaprodukten.

Die Brüsseler Behörde war 2010 damit beauftragt worden, wissenschaftliche Kriterien zur Einordnung eines Stoffes als endokriner Disruptor bis Ende 2013 festzulegen, um auf dieser Grundlage die EU-Gesetzgebung zu Pflanzenschutzmitteln und Bioziden richtig anwenden zu können. Der EU-Gerichtshof rügte die EU-Kommission im Dezember, weil diese Kriterien immer noch nicht veröffentlicht waren.

Die nun vorgelegten Vorschläge muss die EU-Kommission mit den EU-Mitgliedstaaten in Fachgremien abstimmen.

uh

(AWP)