Bundespräsidentin Leuthard: Zugang zum EU-Strombinnenmarkt ist wichtig

Bundespräsidentin Doris Leuthard ist zuversichtlich, dass Schwung in die Verhandlungen mit der EU um ein Stromabkommen kommt. "EU-Kommissions-Präsident Juncker kommt voraussichtlich Ende November in die Schweiz. Beim Rahmenabkommen sind noch einige Knoten zu lösen. Doch wenn das geregelt ist, geht es mit dem Stromabkommen schnell vorwärts", sagte Leuthard im Interview mit der "NZZ" (Ausgabe, 28.10.).
29.10.2017 17:39

Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, brauche es die Marktöffnung im Inland und den Zugang zum EU-Strombinnenmarkt, so die Energieministerin weiter. Für die Marktöffnung sei man bereit. "Es braucht nur noch einen Bundesbeschluss für die vollständige Öffnung."

Gleichzeitig sei sich der Bundesrat aber auch der innenpolitischen Schwierigkeiten zum Rahmenabkommen mit der EU bewusst. "Von der Wirtschaft gibt es wenig Unterstützung, weil die grossen Verbraucher die Vorteile des offenen Markts bereits geniessen."

In Sachen Ausbau der Produktion vor allem in den Bereichen Solar- und Windkraft gebe es bei der Windkraft Widerstände in der Bevölkerung, ist sich Leuthard bewusst. Bei der Solarenergie gehe es aber vorwärts. "Und in einigen Jahren werden wir auch wirtschaftliche Speichertechnologien haben, die die saisonalen Schwankungen ausgleichen." Und auch Speicherseen würden eine wichtige Rolle spielen.

Laut einer am Freitag publizierten Studie des Bundesamtes für Energie (BFE) sind in der Schweiz bis 2035 keine signifikanten Engpässe in der Stromversorgung zu erwarten. Eine zentrale Voraussetzung zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit sei die Einbettung der Schweiz in den gesamten europäischen Strommarkt. Nur unter extremen Annahmen, wenn im europäischen Gesamtsystem Kapazitäten nicht verfügbar wären, würden ab 2025 in der Schweiz und den Nachbarländern im Winter verstärkt Versorgungsengpässe auftreten.

mk

(AWP)