Bundespräsident Schneider-Ammann gratuliert Trump formell

Bern (awp/sda) - Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hat Donald Trump zur seiner Wahl zum Präsidenten der USA gratuliert. Die Schweiz wolle unter ihm "die engen Beziehungen und die Zusammenarbeit pflegen", schreibt das Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).
09.11.2016 15:19

Wie protokollarisch üblich habe der Bundespräsident die Glückwünsche zur Wahl mit einem Brief überbracht. In diesem habe Schneider-Ammann "die engen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen unseren Ländern und die gemeinsamen Werte gewürdigt", so das Departement.

AUF FREIHANDEL SETZEN

Mehr Worte machte Aussenminister Didier Burkhalter: Die Schweiz werde gegenüber den USA weiterhin auf Freihandel setzen, sagte er in einer ersten Reaktion im Schweizer Fernsehen SRF. Protektionismus und neue Zölle, wie sie Donald Trump in seiner Wahlkampagne angekündigt hatte, seien nicht im Interesse der Schweiz.

"Das werden wir der neuen Regierung auch so mitteilen", sagte Burkhalter am Mittwoch in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF. Eine Abschottung der Märkte sei weder für die USA noch für die Schweiz gut.

In der Sicherheitspolitik dürften Friedensaktionen vor dem aktuellen politischen Hintergrund noch wichtiger werden. Die Schweiz habe hier eine bedeutende Rolle, sagte Burkhalter. In einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen hatte er zuvor eine konstruktive Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung angekündigt.

KONTAKT MIT US-REGIERUNG SUCHEN

Burkhalter erinnerte daran, dass die Schweiz die Interessen der USA im Iran vertritt. Mediationen, gute Dienste und das internationale Genf seien weitere Trümpfe der Schweizer Aussenpolitik. Die USA sollten sich ihrerseits als Kraft für den Frieden einsetzen.

Die Schweiz werde den Kontakt mit der US-Regierung suchen, um sich zu vernetzen und sich gegenseitig zu verstehen. Sie habe alles Interesse an einer starken und geeinten USA, sagte Burkhalter im Interview, das kurz vor der Bekanntgabe des definitiven Wahlresultats geführt worden war.

Für Micheline Calmy-Rey, Burkhalters Vorgängerin an der Spitze des Aussendepartements (EDA), ist Trumps Wahlerfolg nicht wirklich überraschend. Die Genfer Sozialdemokratien sieht das Wahlresultat als Antwort auf die Globalisierung.

Die Verlockungen von Isolationismus, Protektionismus und die Wut der Vernachlässigten hätten den Ausschlag gegeben, sagte die frühere Aussenministerin der Nachrichtenagentur sda. Sie verwies auf die Brexit-Abstimmung im Juni in Grossbritannien oder das Votum der Schweiz zur SVP-Masseneinwanderungsinitiative.

SORGEN ERNST NEHMEN

Bei Sorgen, Ängsten und Vertrauensverlust wendeten sich die Menschen an Politiker, die ihnen Sicherheit verschaffen würden, sagte Calmy-Rey. Nehme die Politik diese Sorgen und Ängste nicht ernst, werde sich diese Welle fortsetzen, warnte sie.

Calmy-Rey machte die Niederlage von Hillary Clinton persönlich betroffen - sie hatte die frühere US-Aussenministerin mehrfach getroffen. Die Wahl Clintons wäre ein "starkes Symbol" gewesen für die Frauen, sagte Calmy-Rey. Die Demokratin sei mit Geringschätzung, Argwohn und Sexismus behandelt worden.

(AWP)