Bundesrat hält an Massnahmen gegen hohe Roamingtarife fest

Bern (awp/sda) - Der Bundesrat will die Roamingpreise begrenzen und missbräuchliche Werbeanrufe bekämpfen. Daran hat er nach der Vernehmlassung festgehalten. Neu will er jedoch das Fernmeldegesetz in einem statt in zwei Schritten revidieren.
23.09.2016 16:25

Der Bundesrat geht damit auf Kritik in der Vernehmlassung ein. Die Revision in zwei Etappen sei mehrheitlich abgelehnt worden, schreibt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) in einer Mitteilung vom Freitag.

Auf später verschieben wollte der Bundesrat ursprünglich Fragen zur Technologieneutralität sowie zur Netzneutralität, dem diskriminierungsfreien Zugang zu den Telekommunikationsnetzen. Er wollte die Entwicklungen beobachten, bevor neue Rahmenbedingungen für die Grundversorgung festgelegt werden.

Nun wird das UVEK aber auch dazu Vorschläge erarbeiten, wie es von vielen gefordert wurde. Der Bundesrat hat das Departement beauftragt, bis nächsten Herbst eine Gesetzesvorlage vorlegen, die den Ergebnissen der Vernehmlassung Rechnung trägt.

KEINE STÄRKUNG DER COMCOM

Auf breite Ablehnung gestossen war eine Stärkung der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom). Die weiteren Änderungsvorschläge seien "differenziert" beurteilt worden, schreibt das UVEK. An diesen hält der Bundesrat fest. Wie geplant will er Massnahmen einführen, um die Preise beim Roaming zu begrenzen. Auch Massnahmen gegen missbräuchliche Werbeanrufe sind weiterhin geplant.

Weiter sollen die Fernmeldedienstanbieter administrativ entlastet, die Nutzung von Frequenzen flexibilisiert und der Zugang zu Gebäudeinstallationen und Verzeichnisdaten verbessert werden. Schliesslich will der Bundesrat neue Regeln erlassen zu Internet-Domainnamen.

ÜBERREGULIERUNG BEFÜRCHTET

Die bürgerlichen Parteien warnten in der Vernehmlassung vor Überregulierung. Insbesondere Preisobergrenzen für das Roaming stiessen auf Ablehnung.

Der Bundesrat hatte das Ende von hohen Roaminggebühren als Hauptziel der Revision bezeichnet. Schweizer Kundinnen und Kunden sollten von tieferen Preisen, besseren Konditionen und mehr Wahlmöglichkeiten profitieren können, schrieb er im Vernehmlassungsbericht. Dabei sei auch die Festlegung von Preisobergrenzen im Rahmen internationaler Abkommen möglich.

Der Bundesrat schlug zudem vor, von den Anbietern die sekundengenaue Abrechnung bei Anrufen und die auf maximal zehn Kilobyte gerundete Abrechnung beim Datenkonsum zu fordern. Heute runden die Anbieter diese Werte teilweise auf. Weiter will der Bundesrat die Anbieter in der Schweiz verpflichten, Kunden im Ausland die Nutzung von Roamingdienstleistungen von Drittanbietern zu ermöglichen.

(AWP)