Bundesrat spart Millionen mit Änderung des Ärztetarifs

Ärzte und Spitäler, die ambulante Leistungen erbringen, bekommen ab nächstem Jahr fast eine halbe Milliarde Franken weniger. Grund ist die vom Bundesrat beschlossene Änderung des Ärztetarifs TARMED.
18.10.2017 14:45

Der Schritt wurde nötig, weil der Tarif nicht mehr sachgerecht war und sich die Tarifpartner nicht auf eine Revision einigen konnten. Um einen tariflosen Zustand zu verhindern, ist der Bundesrat eingeschritten. Die konkreten Änderungen hat er am Mittwoch formell beschlossen.

Den Preis dafür zahlen vor allem Spezialärzte und Spitäler, die ambulante Leistungen erbringen. Unter anderem werden Leistungen tiefer bewertet, die wegen des medizinischen oder technischen Fortschritts weniger Zeit in Anspruch nehmen. Das betrifft etwa Operationen des grauen Stars oder Darmspiegelungen.

Ärzte, die Operationen durchführen, erhalten in Zukunft generell weniger Geld. Ihre Vergütungen werden linear um 10% gekürzt. Zudem werden ärztliche Leistungen künftig nicht mehr nach der unterschiedlichen Dauer der ärztlichen Weiterbildung bewertet. Dadurch werden die Leistungen der Grundversorger gegenüber jenen der Spezialisten aufgewertet.

TIEFERE PRÄMIEN

Die Einsparungen schätzt der Bundesrat auf 470 Mio CHF pro Jahr. Das Prämienwachstum wird dadurch schon nächstes Jahr leicht gedämpft.

Die Umsetzung und die Auswirkungen der TARMED-Anpassung werden überwacht und ausgewertet. Der Bundesrat betont in einer Mitteilung, dass es sich bei dem Schritt um eine Übergangslösung handelt: Es sei nach wie vor Aufgabe der Tarifpartner, gemeinsam die gesamte Tarifstruktur zu revidieren.

Das gleiche gilt für den Tarif für die Physiotherapie. Auch hier musste der Bundesrat eingreifen, weil keine Einigung zwischen den Tarifpartnern zu Stande gekommen war. Die ab 2018 geltende Tarifstruktur basiert auf der aktuellen Regelung. Änderungen sollen zu mehr Transparenz und einer Reduktion unerwünschter Anreize führen.

(AWP)