Bundesrat will Grundsatzdiskussion über Kaderlöhne führen

Bern (awp/sda) - Die Löhne und Boni der Chefs bundesnaher Betriebe sind auch im vergangenen Jahr gestiegen. Top-Verdiener ist RUAG-Chef Urs Breitmeier mit rund einer Million Franken, gefolgt von Post-Chefin Susanne Ruoff.
30.09.2016 14:45

Der Bundesrat will bis Ende Jahr eine "Grundsatzdiskussion" führen und die Steuerungsmöglichkeiten überprüfen, wie er am Freitag mitteilte. Den Kaderlohnbericht - der üblicherweise vor den Sommerferien veröffentlicht wird - hiess er gleichentags gut.

THEMA IM PARLAMENT

Der Lohn des RUAG-Chefs hatte im Vorfeld zu reden gegeben. Vergangenen Montag gab der Bundesrat in der Fragestunde des Nationalrates dann die Summe bekannt. Der Chef des Rüstungskonzerns erhielt 2015 einen Fixlohn von 460'000 CHF, gleich viel wie im Vorjahr.

Hinzu kamen aber variable Leistungskomponenten und Boni im Umfang von rund 499'800 CHF. Im Vorjahr waren es noch 364'000 CHF gewesen. Zusammen mit den Nebenleistungen von 50'400 CHF - etwa für den privaten Gebrauch des Geschäftsautos - ergibt sich eine Summe von über einer Million Franken.

BRANCHENÜBLICHER LOHN

Im Kaderlohnbericht erklärt das zuständige Verteidigungsdepartement, die Höhe der Vergütung orientiere sich am Branchen- und Arbeitmarktumfeld und werde regelmässig überprüft.

Dazu würden allgemein zugängliche Informationen von Unternehmen vergleichbarer Grösse aus der Industrie in der Schweiz und gegebenenfalls Ergebnisse von Umfragen und Studien Dritter beigezogen. Die leistungsabhängige Komponente sei abhängig von der Erfüllung der Leistungsziele und vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

ZU LOHNKÜRZUNG BEREIT

Post-Chefin Susanne Ruoff verdiente - wie ebenfalls bereits bekannt war - 610'000 CHF. Hinzu kamen Boni von 327'000 CHF und Nebenleistungen von 47'400 CHF. Im Vorjahr hatte sie noch 570'000 CHF Fixlohn und 207'300 CHF Boni bezogen. In einem Interview hatte Ruoff gesagt, sie würde auch für den Lohn eines Bundesrats arbeiten. Statt 937'000 würde sie in diesem Fall noch rund 475'000 CHF pro Jahr verdienen.

Weniger verdiente im vergangenen Jahr SBB-Chef Andreas Meyer, der die Rangliste früher anführte. Sein Fixlohn betrug 593'300 CHF. Hinzu kamen Boni im Umfang von rund 336'300 CHF. 2014 war Meyer noch auf über eine Million Franken gekommen.

SUVA UND FINMA

Zu den Spitzenverdienern gehörte auch SUVA-Chef Ulrich Fricker mit einem Fixlohn von 500'000 CHF und Boni von 140'000 CHF. FINMA-Chef Mark Branson erhielt einen Fixlohn von 491'600 CHF und Boni von 40'000 CHF.

Im Vorjahr hatte Branson fixe Anteile von 412'500 CHF und variable von 78'400 CHF erhalten. Die Änderungen hätten mit der neuen FINMA-Personalverordnung zu tun, heisst es im Bericht.

JÄHRLICH PLUS 4%

Zu reden gab im Vorfeld auch der Lohn des Direktors von Schweiz Tourismus. Dieser erhielt einen Fixlohn von 327'900 CHF und Boni von 64'900 CHF sowie Nebenleistungen von 32'200 CHF. Das Salär des Chefs stieg seit 2008 pro Jahr durchschnittlich um 4%.

Die Löhne und Nebenleistungen der übrigen Geschäftsleitungsmitglieder von Schweiz Tourismus stiegen im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 214'800 CHF auf im Durchschnitt 254'500 CHF pro Kopf. Das sind 2,4% pro Jahr.

EIGNERRECHTE STÄRKEN

In einer Antwort auf eine Frage von SP-Fraktionschef Roger Nordmann führte der Bundesrat diese Woche aus, dass zur Diskussion stehe, die Eignerrechte des Bundes bezüglich der Entlöhnung zu stärken. Er nannte dabei Post, SBB, Skyguide, Ruag, Sifem und Identitas.

Bei Skyguide betrug der Fixlohn des Chefs 372'200 CHF. Hinzu kamen variable Komponenten von 132'800 CHF. Der Identitas-Chef erhielt einen Fixlohn von 209'900 CHF und variable Komponenten von 30'100 CHF.

Die Diskussion über die Managerlöhne bei den bundesnahen Betrieben war im Zusammenhang mit der Pro-Service-Public-Initiative neu entflammt. Die Initiative forderte unter anderem, dass die Topkader nicht mehr verdienen sollten als Bundesräte.

cp/

(AWP)