Bundesrat will nicht in Tarifhoheit der Bahnen eingreifen

Der Bundesrat will keine landesweit geltenden Tarife für den öffentlichen Verkehr durchsetzen. Ein Eingriff würde seiner Ansicht nach die Tarifhoheit der Unternehmen deutlich einschränken. Die Bahnen sollten aber untereinander Lösungen finden.
24.08.2017 15:40

Zwar bezeichnet die Landesregierung die heutige Tariflandschaft im öffentlichen Verkehr als kompliziert und für den Kunden wenig transparent. Sie sieht zurzeit aber "keinen Bedarf, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um für Fahrten innerhalb von Tarifverbundgebieten Vorschriften bezüglich Sortiment und Tarifhöhe zu erlassen", wie es in einer Antwort auf eine Motion von Philippe Nantermod (FDP/VS) heisst.

Dieser erachtet es als langfristiges Ziel, dass Konsumentinnen und Konsumenten immer der beste Preis angeboten wird. Die Kunden müssten frei zwischen den Angeboten der verschiedenen Tarifverbunde wählen können. Dies gelte insbesondere für Streckenbillette sowie für den Zugang zu Sparbilletten und Streckenabos.

Heute müssten einige Pendler für ihre Billette oder Abos bedeutend mehr bezahlen als früher, weil ihnen Angebote aufgezwungen würden, die sie überhaupt nicht brauchten. Für eine Verbesserung der Situation müssen laut Nantermod Gesetze und Reglemente auf Bundesebene geändert werden.

POLITISCHE ZURÜCKHALTUNG

Der Bundesrat dagegen appelliert an die Eigenverantwortung der Transportunternehmen und Verbundsorganisationen. Diese sollen sich "schnell in zweckmässigen und gemeinsamen Entscheidgremien organisieren und Vereinfachungen und Verbesserungen im Tarifsystem umsetzen", wie er schreibt.

Den Transportunternehmen und den regionalen Tarifverbunden stehe es frei, Sparbillette anzubieten. Ob, zu welcher Tageszeit und auf welchen Linien ein Unternehmen oder ein Tarifverbund diese anbietet, liege in seiner Verantwortung.

Der Bundesrat glaubt, dass es für Kunden des öffentlichen Verkehrs bald einfacher sein wird, sich im Angebotsdschungel zurechtzufinden. Die Branche arbeite seit längerem an zwei Projekten im Tarif- und Distributionsbereich.

Im Rahmen dieser Projekte werde unter anderem geprüft, wie ein einfacheres und nachvollziehbareres Tarifsystem etabliert werden könne. Eine Einmischung des Bundes in diesen Prozess sei politisch umstritten. Einzelne Kantone zögen eine dezentrale Tarifhoheit vor.

(AWP)