Bündner Volk verwirft Olympia-Kandidatur schon wieder

Das Bündner Stimmvolk hat zum zweiten Mal innert vier Jahren eine Kandidatur für die Durchführung Olympischer Winterspiele verworfen. Das Nein zu einem Kredit von 25 Mio CHF fiel mit 60 Prozent sogar noch höher aus als die Ablehnung 2013.
12.02.2017 13:39

Das Bündner Establishment aus Wirtschaft und Politik hat erneut eine schwere Schlappe erlitten. Nur vier Jahre nach dem Nein zu den Olympischen Winterspielen 2022 verwarf das Volk die neue Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2026 mit 41'633 zu 27'648 Stimmen bei 50,90% Beteiligung. Die Kandidatur, über die vor vier Jahren abgestimmt wurde, war beim Stimmvolk mit 52,7% durchgefallen.

Wirtschaftsverbände hatten die Olympia-Idee danach aufgewärmt und an die Politik herangetragen, die sofort auf den Zug aufsprang. Die Kantonsregierung kaufte den Wirtschaftsexponenten deren Grobskizze für mehrere hunderttausend Franken ab und machte die Kandidatur zur eigenen. Der Grosse Rat liess sich vom Olympia-Fieber anstecken und stimmte dem Kredit von 25 Millionen fast einstimmig zu - einzig die SP-Fraktion lehnte die Vorlage ab.

ZÜRICH WOLLTE NICHT

Mit Spielen, die nicht wie letztes Mal auf Davos und St. Moritz konzentriert waren, wollten Wirtschaft und Politik das Ja an der Urne diesmal hinbekommen. Als Wettkampfstätten vorgesehen waren Chur, St. Moritz, Davos, Flims/Laax. Arosa/Lenzerheide. Ausserkantonal waren Engelberg, Einsiedeln, Kloten und Zürich in das Bündner Konzept eingebunden.

Vor allem die Stadt Zürich hatte aber schon vor dem sonntäglichen Urnengang Distanz markiert: Das Zürcher Stadtparlament, der Gemeinderat, sprach sich Mitte Januar deutlich gegen eine Beteiligung an der Bündner Kandidatur aus. Der Grund: das finanzielle Risiko sei zu hoch.

AUFWIND FÜR WESTSCHWEIZER KANDIDATUR

In Graubünden standen als Olympia-Gegner die SP und die Grünen der Wirtschaft und allen bürgerlichen Parteien gegenüber. Kräftig befeuert worden war die Kandidatur von den regionalen Medien des Hauses Somedia in Chur. Verleger Hanspeter Lebrument hatte persönlich und öffentlich mit Olympia-Gegner Jon Pult über die Vorlage gestritten.

Die Olympia-Frage im 2026 ist mit dem Bündner Nein schweizweit nicht vom Tisch. Aufwind bekommen hat dadurch die Westschweizer Kandidatur "Sion 2026" mit den Kantonen Wallis, Waadt, Bern und Freiburg.

(AWP)