BVG-Kommission will Mindestzinssatz für Renten der 2. Säule senken

(Meldung durchgehend ergänzt)
02.09.2016 18:06

Bern (awp/sda) - Der Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge soll 2017 von heute 1,25% auf 1% gesenkt werden. Dies empfiehlt die zuständige Kommission dem Bundesrat. Der Gewerkschaftsbund warnt vor tieferen Pensionskassenrenten, der Versicherungsverband kritisiert den Vorschlag, weil er den geplanten Zinssatz als zu hoch erachtet.

Die Vorschläge der Kommissionsmitglieder hätten von 0,5% bis 1,25% gereicht, teilte die Eidg. Kommission für berufliche Vorsorge am Freitag mit. Es sei über verschiedene Varianten abgestimmt worden. In der Schlussabstimmung habe sich eine Mehrheit für 1% ausgesprochen.

Mit dem Mindestzinssatz wird bestimmt, zu welchem Satz das Vorsorgeguthaben der Versicherten mindestens verzinst werden muss. Angesichts der aktuellen Negativverzinsung von Obligationen guter Qualität sei ein Zinssatz von 1% vergleichsweise attraktiv, heisst es in der Medienmitteilung der Kommission.

Entscheidend für die Festlegung des Satzes sei die Rendite der Bundesobligationen sowie zusätzlich der Aktien, Anleihen und Liegenschaften, ruft die Kommission in Erinnerung. Über eine allfällige Änderung des Satzes entscheidet der Bundesrat.

"DEUTLICH ZU HOCH"

Der Schweizerische Versicherungsverband SVV kritisierte den Vorschlag der Kommission am Freitag als "deutlich zu hoch". Er selbst schlägt für 2017 einen BVG-Mindestzinssatz von höchstens 0,5% vor.

Dafür spreche neben den Schwankungen der Märkte vor allem das Zinsniveau, so der SVV. Die Erträge sicherer Anlagen würden seit Jahren kontinuierlich sinken und bewegten sich auf historischen Tiefstständen. Davon zeugten Negativzinsen und Negativrenditen auf Bundesanleihen.

Der Mindestzinssatz sei für die Vorsorgeeinrichtungen eine Garantieverpflichtung, hält der Verband fest. Er müsse deshalb so festgelegt werden, dass er für die Pensionskassen erreichbar bleibe. Als Grundlage dafür könne somit nur der mit Anlagen in Bundesanleihen realisierbare Zinssatz massgebend sein.

TIEFERE RENTEN

Ganz anders tönt es vonseiten des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes: Die Versicherten müssten sich erneut auf tiefere Renten einstellen, kritisiert der SGB in einer Reaktion zum Kommissionsentscheid. Immerhin habe mit der Empfehlung einer Senkung auf 1% "Schlimmeres verhindert werden" können.

Der SGB hatte angesichts der aktuellen Renditeentwicklungen der Pensionskassen eine Beibehaltung des jetzigen Mindestzinssatzes gefordert.

Die Verzinsung des Alterssparkapitals sei neben dem Umwandlungssatz "matchentscheidend" für die Höhe der späteren Pensionskassenrente, schreibt er weiter. Wenn das angesparte Geld in den Pensionskassen immer tiefer verzinst werde, trage die kapitalgedeckte berufliche Vorsorge immer weniger zum Renteneinkommen der Pensionierten bei.

Mit einem Mindestzins von 1% dauere es 70 Jahre, bis sich das Alterssparkapital verdoppelt habe, rechnet der SGB vor. Das seien 14 Jahre mehr als mit einer Mindestverzinsung von 1,25%.

ALTERSREFORM

Der beste Weg, die Rentenverluste in der zweiten Säule auszugleichen, sei eine Erhöhung der AHV-Renten, folgert der Gewerkschaftbund. Er wirbt damit für seine Initiative "AHVplus", die am 25. September zur Abstimmung kommt und 10% höhere AHV-Renten verlangt.

Wird die Initiative angenommen, muss die Reform der Altersvorsorge neu aufgegleist werden, die derzeit im Parlament hängig ist. Die Altersvorsorge 2020 soll die Probleme von erster und zweiter Säule gleichzeitig lösen. Im Zentrum stehen ein höheres Frauenrentenalter, ein tieferer Umwandlungssatz und zusätzliche Mehrwertsteuer-Prozente.

(AWP)