Forster meint

cash-Interviewserie - Rücktritte sind letztlich etwas sehr Persönliches

Sie ist eine Tradition: die cash-Interview-Serie zum Jahresende. 2017 geht es um das Thema «Rücktritte». Sind sie Ende oder Anfang? Befreiend oder beklemmend? Lesen Sie dazu fünf Interviews mit fünf bekannten Personen.
18.12.2017 08:10
Von Marc Forster
Marc Forster, Redaktor cash.
Marc Forster, Redaktor cash.
Bild: cash

Rücktritte von Personen sind Einschnitte. Ganze Länder, Gesellschaften und Unternehmen werden durch sie verändert. In der Wirtschaft prägten CEO wie Oswald Grübel oder Brady Dougan die grossen Schweizer Banken in ihrer Amtszeit. Ihre Nachfolger nahmen die UBS und Credit Suisse auf einen andern Kurs. Auch Julius Bär, wo Boris Collardi vor wenigen Wochen zurückgetreten ist, wird sich unter neuer Führung anders entwickeln. So geschieht es oft, wenn starke Frauen oder Männer die Zügel der Macht abgeben.

Rücktritten haftet etwas Ambivalentes an. Und das nicht nur, weil schon das Wort einen harten Klang hat. Geschieht eine Demission unter dem Zeichen eines Skandals, ist die Aufmerksamkeit gross. Eine schwere Erschütterung der Schweizer Politik war der erzwungene Rücktritt von Bundesrätin Elisabeth Kopp 1989 nach einem juristisch heiklen Telefonat mit ihrem Ehemann.

Aber nicht jeder Ausrutscher wird als Skandal aufgefasst: Der Schweiz wird manchmal nachgesagt, sie kenne keine eingespielte "Rücktrittskultur". Der Walliser Nationalrat Yannick Buttet hat nun sein Mandat erst Wochen nach dem Bekanntwerden einer Stalking- und Belästigungsaffäre abgegeben. In angelsächsischen Ländern wird mit gestrauchelten Amtsträgern härter ins Gericht gegangen, die Demission erfolgt nach einem Misstritt oft schnell.

Rücktritte sind auch ein Anfang. Bundesrat Didier Burkhalter begründete seinen Rücktritt im letzten Sommer damit, sich seiner Familie widmen zu wollen. Eine solche Motivation wird rundum akzeptiert, auch geachtet oder gar bewundert. Wer eine Funktion aufgibt, begibt sich immer auf den Weg zu etwas neuem. Der Rücktritt ist der Beginn eines Übergangs.

Und dann: Rücktritte sind vor allem auch etwas Persönliches. Veränderungen gehen an Menschen nie spurlos vorbei. Ob daraus etwas positives oder problematisches gemacht wird, liegt in der Verantwortung des Einzelnen.

Die cash-Redaktion hat mit fünf bekannten Menschen aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Sport gesprochen, die 2017 zurücktraten oder ihren Rücktritt angekündigt haben. Wir fragten nach den subjektiven Erfahrungen, dem Umgang mit dem Wechsel und den Plänen, die sie im neuen Lebensabschnitt verwirklichen.

Für Ariane Ehrat etwa, ehemalige Spitzenskifahrerin und bis Mitte 2017 CEO der Fremdenverkehrsorganisation Engadin/St. Moritz, war der berufliche Rücktritt vergleichbar mit demjenigen im Sport: "Der emotionale Ablauf ist ähnlich. Es gibt den Entscheid, den Trennungsprozess und den Neuanfang." Sie verspürte bei ihrem Abtritt nicht etwa Wehmut oder Erleichterung, sondern Dankbarkeit.

Den Anfang der Interviewserie macht heute aber Ansgar Gmür. Der langjährige Direktor des Hauseigentümerverbands, der nächstes Jahr in Pension geht, kann aus einem episodenreichen Leben berichten. Für ihn ist der Abtritt ein komisches Gefühl: "Bald ist plötzlich fertig und ich werde kein gefragter Mensch mehr sein." Immerhin hat Gmür ein neues Ziel: Er will Pfarrer werden.