WEF 2016

cash-WEF-Splitter: Thiam und die CS-Aktie

Langfristplanung, wenn der Aktienkurs in den Keller rasselt +++ Selbst bei Airbnb wuchern am WEF die Preise +++ Macht die Frankenstärke die Davoser Hotels besonders erfinderisch?
19.01.2016 22:01
Von Daniel Hügli und Marc Forster, Davos
Wie jedes Jahr Mitte Januar ist Davos Treffpunkt der Wirtschaftsführer.
Wie jedes Jahr Mitte Januar ist Davos Treffpunkt der Wirtschaftsführer.

Der cash-WEF-Splitter informiert jeden Tag von Mittwoch bis Freitag über Auf- und Abfälliges am Treffen der Weltwirtschaftsführer und Spitzenpolitiker in Davos.

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"The Long-Term Imperative" - wie können Wirtschaftsführer in Zeiten wachsender Komplexität und Unsicherheit langfristige Entscheide treffen? Das ist das Thema der ersten grossen WEF-Diskussionsrunde am Mittwochmorgen. Mit dabei sind unter anderen Larry Fink, CEO und Chairman des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, und Tidjane Thiam. Der CEO der Credit Suisse sieht sich seinem Amtsantritt Mitte letzten Jahres mit einem stetig fallenden Aktinkurs seiner Bank konfrontiert. Anfang dieser Woche fiel die Aktie der CS auf den tiefsten Stand seit Mitte 2012. "Wie kann ich bei steigender Unruhe der Aktionäre noch langfristige Entscheide treffen", wird sich Thiam dieser Tage wohl auch fragen.

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Die Preise für Wohnungen und Hotels sind ein Dauerbrenner am World Economic Forum in Davos. Summen von bis 50'000 Franken pro Woche und Wohnung oder 100'000 Franken für ein Chalet sind keine Seltenheit. Auch Airbnb mischt da neuerdings kräftig mit. In Klosters (also nicht mal in Davos selber) wurden für Airbnb-Wohnungen vierstellige Summen bezahlt für die Zeit des WEF - pro Nacht. Dabei sieht es für Immobilienbesitzer in der Region nicht mehr so gut aus. Die Preise für Ferienwohnungen und -häuser haben in Davis in den letzten drei Jahren um 15 Prozent nachgegeben, wie die Agentur Bloomberg kürzlich einen UBS-Experten zitierte. Die Bank erwartet einen weiteren Rückgang um 5 Prozent in diesem Jahr. Zurückzuführen sei dies auf den starken Franken und die damit verbundene nachlassende Nachfrage von ausländischen Käufern.

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Auch für Journalisten hat der WEF-Besuch einen Preis - neuerdings. Der beliebte Badge für die grossen WEF-Hotels, allen voran das Steigenberger Belvédère, werden am WEF 2016 mit einer Gebühr von 50 Franken berechnet. Ist die Hotellerie wegen des starken Frankens derart unter Druck, dass nun neue Einnahmequellen gesucht werden? Laut Thomas Kleber, der das berühmte Belvédère führt, hat das Hotel 2015 selbst ohne Badge-Gebühren überraschend gut abgeschnitten. Ein ganz anderes Thema ist für die Davoser Hotels 2018: Dann könnte sich das WEF entscheiden, das Welttreffen nicht mehr in Davos durchzuführen. Für den Tourismus in die abhängigen Branchen eine Horrorvorstellung: Kaum ein Schweizer Ferienort hat nach 45 Jahren WEF so viele Hotels und Übernachtungskapazitäten eingerichtet wie Davos.