CDU siegt bei Saar-Wahl - Grosse Koalition wahrscheinlich

Klarer Sieg für die CDU, kräftiger Dämpfer für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz: Zum Auftakt des wichtigen Wahljahrs 2017 haben die Christdemokraten bei der Landtagswahl im Saarland stark zugelegt und ihre Machtposition verteidigt. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF reicht es für SPD und Linkspartei nicht zum erhofften rot-roten Machtwechsel - trotz der SPD-Aufholjagd in den Umfragen seit Schulz' Antritt. Damit kann Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer an der Saar weiter mit dem Juniorpartner SPD regieren.
26.03.2017 20:02

Die Linkspartei bleibt mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine demnach drittstärkste Kraft. Die AfD zieht erstmals ins Parlament ein, gewinnt aber weniger Stimmen als bei vorangegangenen Landtagswahlen. Grüne und FDP sind gescheitert.

Die seit 18 Jahren regierende CDU verbesserte sich deutlich auf 40,3 Prozent - ein sattes Plus von gut fünf Prozentpunkten gegenüber der Wahl vor fünf Jahren. Die SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Anke Rehlinger verliert leicht und kommt auf 30 bis 30,1 Prozent. Die Linke rutscht um etwa drei Punkte auf 12,6 bis 13 Prozent. Die AfD, deren Landesverband sich mit der Bundesspitze überworfen hatte, kommt auf 5,9 bis 6,2 Prozent. Die Grünen scheiterten mit 4,1 Prozent, die Freidemokraten mit 3,1 bis 3,3 Prozent.

Die Sitze verteilen sich nach den Hochrechnungen wie folgt: CDU 24, SPD 17, Linke, 7 und AfD 3.

Die Abstimmung gilt als erster Test für die Bundestagswahl Ende September - es folgen im Mai die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Kanzlerin Merkel, zuletzt durch den Hype um Schulz in der Defensive, kann nun zuversichtlicher in den Bundestagswahlkampf ziehen. CDU-Generalsekretär Peter Tauber wertete das Wahlergebnis als "klare Absage an Rot-Rot-Grün" auch im Bund und erklärte: "In unsicheren Zeiten vertrauen die Menschen der politischen Kraft, die verlässlich regiert."

Schulz zeigte sich enttäuscht: "Wir haben das Ziel für diesen Abend nicht erreicht", sagte er. Bis zur Bundestagswahl seien es aber noch sechs Monate. "Das ist ein Langstreckenlauf und kein Sprint." Seine Hoffnungen richten sich nun auf die noch wichtigere Entscheidung im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen, wo SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in sieben Wochen ihre Macht verteidigen muss.

Rehlinger räumte ein, dass die Aussicht auf ein rot-rotes Bündnis Wählerstimmen gekostet haben könnte. Bei einer Fortsetzung der grossen Koalition dürfte die 40-Jährige Vize-Regierungschefin bleiben. Die frühere Kugelstosserin hatte mit Kramp-Karrenbauer in der Regierung gut kooperiert und sich dann in dem Frauenduell um Abgrenzung bemüht. Doch nach Umfragen sahen 66 Prozent der Wahlberechtigten das Land von der grossen Koalition gut regiert.

Kramp-Karrenbauer sagte über das Ergebnis: "Dass es so deutlich ausfällt, das habe ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können." Die Saarländer hätten gezeigt: "Sie wollen eine grosse Koalition, sie wollen eine Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer."

Zur Saar-Wahl aufgerufen waren rund 800 000 Bürger. Im kleinsten deutschen Flächenland leben knapp eine Million Menschen - etwas weniger als beispielsweise in Köln. Das Land ächzt unter der zweithöchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Die Haushaltspolitik war in dem eher unaufgeregten Wahlkampf ein zentrales Thema. Daneben ging es um eine teilweise Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit.

Die Linkspartei hat vergeblich gehofft, mit ihrem Zugpferd Lafontaine erstmals in Westdeutschland in die Regierung zu kommen. Der 73-Jährige hatte das Saarland bereits zu seinen SPD-Zeiten lange regiert. Später ging er zur Linkspartei. Für deren Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch zeigt die Landtagswahl: "Nur Stimmen für uns sind keine Stimmen für Merkel."

Die AfD ist nun in 11 der 16 Landesparlamente vertreten. Der starke Aufschwung für Rechtspopulisten in Europa und bei den vorangegangenen Landtagswahlen setzt sich im Saarland aber nicht fort. Die AfD landet deutlich unter 10 Prozent, anders als bei den fünf Abstimmungen auf Länderebene zuvor. Bundeschefin Frauke Petry argumentierte, dass die grosse Koalition im Saarland anders als im Bund beliebt gewesen sei - deshalb sei das AfD-Ergebnis für die Bundestagswahl nicht repräsentativ./toz/and/DP/he

(AWP)