CEO-Rücktritt von Peter SpuhlerFolgt nun der Börsengang von Stadler Rail?

Peter Spuhler gibt die operative Leitung des Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail ab. Er hat damit den Weg für einen Börsengang der Firma geebnet - und für sich selber eine Ständeratskandidatur.
20.09.2017 10:30
Von Daniel Hügli
Peter Spuhler, Chef von Stadler Rail, im cash-Video-Interview vor einem Jahr.
Peter Spuhler, Chef von Stadler Rail, im cash-Video-Interview vor einem Jahr.
Bild: cash

Peter Spuhler gibt auf den 1. Januar 2018 den Posten des CEO der Stadler-Rail-Gruppe ab. Sein Nachfolger wird Thomas Ahlburg, bisheriger Stellvertreter von Spuhler. Spuhler wird weiterhin als Verwaltungsratspräsident von Stadler Rail walten und auch Eigentümer des Unternehmens bleiben. Spuhler, der seit über 30 Jahre die operative Verantwortung hält, bleibt mit 80 Prozent der Aktien Haupteigentümer von Stadler. 10 Prozent der Aktien befinden sich bei der RAG Stiftung und weitere 10 Prozent bei etwa 160 Kadermitarbeitern.

Ahlburg führt seit 2012 das grösste Werk der Stadler-Gruppe in Bussnang TG. Der 47-jährige ETH-Ingenieur hatte vor seinem Wechsel zu Stadler die Leitung des Bombardier-Werks im deutschen Görlitz inne. 

Der 58-jährige Spuhler begann bei Stadler 1987 und kaufte die Thurgauer Firma zwei Jahre später für ungefähr 5 Millionen Franken. Damals zählte das Unternehmen 18 Mitarbeiter, heute ist die Firma die drittgrösste Zugbauerin Europas mit 7000 Mitarbeitern. Spuhlers Vermögen wird auf über eine Milliarde Franken geschätzt.

Der Abtritt von Spuhler als Stadler-CEO kommt nicht überraschend. Spuhler äusserte sich zur Zukunft von Stadler Rail im cash-Interview vor einem Jahr folgendermassen: "Ein logischer Schritt wäre sicher, dass ich mich auf das Verwaltungsratspräsidium zurückzöge. Ob dieser Schritt mit einem Börsengang einhergehen wird, sei dahingestellt."

Unabhängigkeit als Ziel von Stadler Rail

Das klare Ziel sei die Unabhängigkeit von Stadler Rail, sagte Spuhler damals. "Ob mit einem Mehrheitsaktionär Peter Spuhler oder an der Börse mit einem Familienanteil von 35 bis 40 Prozent." Ein Börsengang käme dann auf die Traktandenliste, wenn Stadler Rail eine grössere Übernahme tätigen würde oder grössere Entwicklungsprojekte hätte. "Falls wir das Wachstum weiter aus eigener Kraft finanzieren können, dann ist ein IPO nicht primär das Ziel", so Spuhler vor einem Jahr.

Die Ankündigung seines Abtritts von Spuhler kommt am gleichen Tag, an dem die Vereinigte Bundesversammlung Ignazio Cassis zum Nachfolger von Didier Burkhalter als Bundesrat bestimmte. Promt wurde am Morgen über eine Sprengkandidatur von Spuhler gemunkelt, der von 1999 bis 2012 SVP-Nationalrat war. 

Spuhlers Haltung zu einer Bundesratskandidatur ist allerdings klar, wie er auch im cash-Interview wiederholt hatte. "Ich habe immer gesagt, dass ich das nie wollte. Mittlerweile glauben es auch die meisten. Ich bin 57 und hatte drei oder vier Möglichkeiten, diesen Versuch zu starten. Ich müsste ja meine Firma verkaufen, sonst wäre ich angreifbar."

Viel eher möglich ist, dass sich Spuhler - wenn überhaupt eine Rückkehr in die Politik in Frage kommt - mit dem Abtritt als Stadler-Rail-CEO frei macht für eine Kandidatur als Ständerat im Jahr 2019. Im cash-Interview schloss er dies zumindest nicht aus: "Als Nationalrat werde ich sicher nicht mehr kandidieren. Und als Ständerat müsste ich meine operativen Tätigkeiten abgeben." Was auf Anfang des nächsten Jahres der Fall sein wird.