Chef der deutschen Finanzaufssicht warnt - EU-Griff nach Euro-Clearing könnte sich rächen

Deutschlands oberster Banken-Aufseher hat Entscheidungsträger der EU davor gewarnt, vorschnell das lukrative Clearing-Geschäft von Euro-denominierten Derivaten nach dem Brexit aus Grossbritannien wegzuverlagern.
13.05.2017 07:12
Felix Hufeld ist Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Deutschland.
Felix Hufeld ist Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Deutschland.
Bild: © frank-beer.com / BaFin

Er würde sich selbst nicht als Fan von Forderungen bezeichnen, dass das Euro-Clearing in der EU stattfinden müsse, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld vergangene Woche in Frankfurt.

Es handelte sich um eine schwierige und komplexe Debatte. Er warne davor, sich zu schnell für Lösungen zu entscheiden, die auf den ersten Blick interessant aussehen würden, am Ende aber eine Menge an protektionistischen Kollateralschaden auslösen könnten.

Die Europäische Kommission hatte in der vergangenen Woche erklärt, sie erwäge Massnahmen zum Schutz von Finanzstabilitäts-Risiken im Zusammenhang mit Clearinghäusern ausserhalb der Region, die eine „systemische Rolle“ auf ihren Märkten spielen würden.

Euro-Clearing als Zankapfel

Das könnte eine „erweiterte“ EU-Aufsicht von grossen Firmen mit Sitz in Grossbritannien bedeuten, die sich um das Clearing von bis zu 75 Prozent an Euro-denominierten Zins-Derivaten kümmern. Die EU erwägt nach eigenen Angaben auch „Standort-Anforderungen“ im Rahmen der Vorschläge, die im Juni präsentiert werden sollen.

Das Euro-Clearing ist zu einem Zankapfel zwischen Grossbritannien und den anderen 27 EU-Ländern im Vorfeld der Gespräche zum Austritt aus der Staatengemeinschaft geworden. Sowohl Deutschland als auch Frankreich sind bestrebt, Londons Dominanz bei den Geschäften zu brechen.

Clearing-Häuser stehen zwischen den beiden Seiten bei einer Derivate-Wette und halten Sicherheiten, auch bekannt als Margin, von beiden Parteien für die Eventualität eines Ausfalls.

Hufeld wies darauf hin, dass andere Regionen mit ähnlichen Fragen andere Antworten gefunden hätten.

Regeln zu physischem Standort mit «signifikanten Nebeneffekten»

So würden sich etwa die grössten US-Dollar-Clearinghäuser nicht in den USA befinden, sagte er. Regeln zu einem physischen Standort könnten seiner Meinung nach signifikante Nebeneffekte haben. Man müsse sich darüber im Klaren sein, was für Konsequenzen dies womöglich mit sich bringe.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret hatte ebenfalls davor gewarnt, die Finanzmarkt-Strukturen beim Austritt Grossbritanniens aus der EU zu stören. Das grösste Brexit-Risiko für Deutschland mit Blick auf die Finanz-Stabilität sei, dass die grossen Unternehmen des Landes den Zugang zu Bank-Produkten verlieren könnten, die derzeit in London angeboten werden würden, sagte er am 5. Mai.

Andere Aufseher hatten sich optimistischer zu potenziellen Veränderungen bei der Art und Weise gezeigt, wie die EU mit wichtigen Clearinghäusern in Nicht-EU-Ländern umgeht.

So sagte beispielsweise Steven Maijoor, Chef der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, dass er “sehr glücklich” mit den Plänen sei, die Aufsicht dieser Institutionen zu verbessern. Auf deren möglicher Umsiedlung ging er allerdings nicht ein.

(Bloomberg)