Chef der Finanzaufsicht sieht deutsche Banken in schwieriger Lage

Der Präsident der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin, Felix Hufeld, sagt tiefgreifende Veränderungen bei den deutschen Banken voraus.
02.10.2016 10:39
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Bild: Pixabay

"Die niedrigen Zinsen fressen sich wie ein schleichendes Gift in die Bankbilanzen hinein", sagte Hufeld der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Man wird um schmerzhafte Einschnitte nicht herumkommen." Er erwarte auch vermehrt Fusionen, vor allem zwischen kleinen Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

Zur angeschlagenen Deutschen Bank wollte sich Hufeld nicht konkret äussern. Er sagte lediglich, er warne davor, "sich in eine Art Abwärtsspirale der negativen Wahrnehmung hineintreiben zu lassen". Es sei "nicht jede nervöse Marktreaktion" durch "objektive Fakten" gedeckt.

Die Deutsche Bank stand zuletzt wegen eines Rechtsstreits in den USA stark unter Druck. Das US-Justizministerium forderte 14 Milliarden Dollar wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren - die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Nachricht von der US-Forderung löste Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus, die sowohl von der Bank als auch von der Bundesregierung zurückgewiesen wurden.

Aktienkurs erholt sich

Unter dem Eindruck der Milliardenforderung sank der Aktienkurs des Unternehmens am Freitag kurzzeitig zum ersten Mal überhaupt unter die Zehn-Euro-Marke. Später legte der Kurs allerdings kräftig zu, als bekannt wurde, dass die Strafzahlung wohl deutlich niedriger ausfallen wird. Die Summe soll auf 5,4 Milliarden Dollar herabgesetzt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen erfuhr.

Mehrere hochrangige Manager deutscher Grosskonzerne stellten am Wochenende die Bedeutung der Deutschen Bank für die Vollswirtschaft heraus. "Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet", sagte BASF-Verwaltungsratschef Jürgen Hambrecht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Nationalität des Finanziers zähle auch in der globalisierten Wirtschaft.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte dem Blatt, starke deutsche Banken seien "wichtig für eine starke deutsche Wirtschaft". Die Deutsche Bank habe "eine grosse Tradition, ein solides Fundament - und darauf aufbauend auch eine gute Zukunft". RWE-Chef Peter Terium sagte, um weiterhin im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, "ist es für uns wichtig, einen 'Global Player' wie die Deutsche Bank an unserer Seite zu haben."

(AWP)